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Der Vormittag mit Andree Pfitzner

Im Porträt Schauspieler Edgar Selge feiert mit 73 sein Romandebüt

Autorin

Der Schauspieler und Autor Edgar Selge liest auf der Lit.Cologne
An den Titel "Schriftsteller" muss sich Edgar Selge noch ein bisschen gewöhnen. Bild: DPA | Horst Galuschka

Schauspieler Edgar Selge war auf der Bühne immer schon – und ist auch noch – ein wahres Wunder an Ausdrucksstärke. Mit "Hast Du uns endlich gefunden" hat er in diesem Herbst sein literarisches und teils autobiografisches Debüt gegeben.

Der Schauspieler und Autor Edgar Selge liest auf der Lit.Cologne

Gesprächszeit "Der Kraftakt ist, sich selber anzuschauen" – Edgar Selge

Schauspieler Edgar Selge war auf der Bühne immer schon ein wahres Wunder an Ausdrucksstärke. Nun ist sein autobiografisch-literarisches Debüt erschienen.

Bild: DPA | Horst Galuschka

Er hat große klassische Rollen gespielt, wie den "Faust" oder "King Lear" und mehrstündige Monologe gehalten, wie in Michelle Houellebeqs verstörendem Text "Unterwerfung". In Filmen wie "Rossini" von Helmut Dietl bewies er außerdem sein großes komisches Talent und als einarmiger Kommissar Tauber im "Polizeiruf 110" begeisterte er das Fernsehpublikum. Der Vollblutschauspieler Edgar Selge versucht nun, sich in eine neue Rolle hinein zu finden. Er hat nämlich seinen ersten Roman geschrieben: "Aber deswegen wird man noch kein Schriftsteller. Ich finde, prägend für seine Berufsbezeichnung sollte das sein, womit man über die weitesten Strecken seines Lebens sein Brot verdient hat. Und das ist bei mir die Schauspielerei".

Die Überschneidung von Selbstdarstellung, Selbstbeschreibung und fiktionalem Erfinden interessiert mich.

Edgar Selge über die biografischen Elemente seines Romans

In "Hast Du uns endlich gefunden" erzählt Edgar Selge unter anderem davon, wie ein heranwachsender Junge sich und die besondere Umgebung erlebt, in der er groß wird. Dafür greift Selge zwar tief in seine autobiographische Erinnerungskiste, aber ihm ist auch wichtig, nicht mit dem Erzähler verwechselt zu werden. Die Idee, dieses Buch zu schreiben hat er lange mit sich herumgetragen. Und ein paar Jahre hat er alleine dazu gebraucht, um den Erzählton zu finden, die für ihn zu seiner Geschichte passt: "Die Überschneidung von Selbstdarstellung, Selbstbeschreibung und fiktionalem Erfinden interessiert mich."

Wie in der Kindheit: Hauskonzerte vor Sträflingen

Aufgewachsen ist Selge – wie der fiktionale Erzähler – als Sohn eines Gefängnisdirektors. Familie Selge lebte in der Dienstwohnung der JVA Herford, wo auch regelmäßig private Konzerte für die Häftlinge veranstaltet wurden. Wenn Direktor Selge mal wieder zum Kammermusiknachmittag einlud, auf denen er seine eigene pianistische Leidenschaft ausleben konnte, mussten die Söhne helfen, die Stuhlreihen für das Publikum im Sträflingsanzug aufzubauen. Und während der Vater Beethoven spielte, konnte Edgar die "schweren Jungs" immer sehr genau beobachten: "Zu sehen, dass dieser "Chef", der praktisch die Schlüsselgewalt über ihr Leben hat, sich emotional so auszieht in Form des Musikmachens, ist sicher etwas, was einige vielleicht auch unangenehm berührt hat, aber letztlich niemanden kalt gelassen hat".

Je genauer ich geworden bin, desto emotionaler hat es mich auch wieder reingezogen und erwischt.

Edgar Selge über schmerzhafte Erinnerungen an die Prügelstrafen seines Vaters

Eine Mutter, die um zwei ihrer schon früh verstorbenen Söhne trauert, ein musischer Vater mit sozialer Ader, der seinen Sohn aber immer wieder brutal verprügelt. Edgar Selge erinnert sich schonungslos: "Je genauer ich geworden bin in der Beschreibung, desto emotionaler hat es mich auch wieder reingezogen und erwischt." In seinem Buch geht es um die Kindheits- und Jugendjahre eines Träumers und Kinosüchtigen, und um die Frage: Wer bin ich heute, wer war ich damals? Kann ich den lieben, der mich schlug? Der Roman "Hast Du uns endlich gefunden" ist eine aufregende Reise in die Wahrnehmungswelt eines Schauspielers, der nun – mit 73 Jahren – am Anfang seiner Schriftstellerkarriere steht.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 6. Dezember 2021, 18:05 Uhr