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Die Nacht

Im Porträt Dota Kehr macht Musik ohne Kompromisse

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Musikerin Dota Kehr lehnt an einer Mauer
Am 28. Mai 2021 erscheint ein neues Dota-Album: "Wir rufen dich, Galaktika". Bild: DPA | Mike Wolff TSP

Ihre Lieder sind wunderbar ungekünstelt – mal empfindsam und tiefgründig, mal witzig und leicht. Mal geht es in ihren Texten um Alltägliches, sie sind aber gerne auch mal politisch. Dota Kehr wird von Kritikern als eine der besten deutschen Songschreiberinnen bezeichnet.

Gesprächszeit "Mein Herz schlägt für die Musik" – Dota Kehr

Ihre Lieder sind mal empfindsam und tiefgründig, mal witzig und leicht – und auch gerne mal politisch. Dota Kehr gilt als eine der besten deutschen Songschreiberinnen.

Musikerin Dota Kehr lehnt an einer Mauer
Bild: DPA | Mike Wolff TSP
Bild: DPA | Mike Wolff TSP

Dota hatte eigentlich andere Berufspläne; die gebürtige West-Berlinerin studierte Medizin. Wenn auch "überwiegend aus Ratlosigkeit – und auch, weil es natürlich ein schöner Beruf ist." Schon während des Studiums kamen ihr Zweifel, sie kam mit den Kommiliton*innen nicht gut klar und war einfach unglücklich. Erst mit Anfang 20, im dritten oder vierten Semester, fing sie an, Gitarre zu spielen – ab dem sechsten Semester konnte sie schon davon leben.

Es ist das, was ich machen will, was ich unbedingt tun will, weil ich es liebe.

Dota Kehr

"Dann habe ich mir eigentlich vorgenommen, das Studium abzubrechen. Und habe es mir selbst als Feigheit ausgelegt, dass ich es nicht getan habe, weil ich schon gemerkt habe, mein Herz schlägt für die Musik. Es ist das, was ich machen will, was ich unbedingt tun will, weil ich es liebe. Gleichzeitig war es aber so: Je mehr Musik ich gemacht habe, umso leichter fiel mir das Studium."

Sie brauchte beides, das Studium und die Musik: Als ihr klar wurde, dass sie nicht unbedingt später als Ärztin arbeiten müsste, habe sie gerne Medizin studiert. Zugleich habe sie bei dem Gedanken, am nächsten Morgen nicht mehr in die Uni zu gehen, beim Musikmachen eine Last auf ihren Schultern gespürt. Die Töne seine ihr quasi im Hals steckengeblieben. "Ich habe Angst gekriegt: Was, wenn mir nichts mehr einfällt? Da habe ich gemerkt, ich kann nur Musik machen, wenn ich jetzt auch weiter studiere."

Gerade während des Staatsexamens schrieb sie so viele Lieder wie noch nie, zudem war eine Tour geplant – da habe sich die Frage "Musik oder Medizin?" nicht mehr gestellt.

Liebe zu südamerikanischer Musik

Lateinamerikanische Klänge spielen in der Musik der in Berlin lebenden Liedermacherin eine wichtige Rolle. Ein brasilianischer Babysitter hatte Dotas Familie die Kassette "Elis & Tom" von Elis Regina und Tom Jobim mitgebracht. Dota hörte die Kassette rauf und runter und konnte die Texte schließlich auswendig, ohne die Sprache zu verstehen. "Ich hab dann auch gemerkt, das ist die Art, wie Singen mich am meisten packt." Und der jungen Dorothea war klar, dass sie irgendwann Portugiesisch lernen wollte.

2003 erfüllte sie sich diesen Traum und verbrachte ein knappes Jahr in Brasilien. Eigentlich handelte es sich um einen Forschungsaufenthalt im Rahmen ihres Medizinstudiums, aber die Musik nahm zu dieser Zeit schon einen großen Raum ein – was unter anderem in dem Album "Mittelinselurlaub – Perto da Estrada" mündete, das sie gemeinsam mit dem brasilianischen Bossa-Nova-Musiker Danilo Guilherme veröffentlichte.

Von der "Kleingeldprinzessin" zu Dota

Es war das zweite Album der damaligen Studentin. Sie hatte ihre eigenen Stücke zunächst als Straßenmusikerin ausprobiert und Anfang 2003 mit ihrer neu gegründeten Band unter dem Namen "Kleingeldprinzessin" ein gleichnamiges Debütalbum veröffentlicht. Dafür gründete Dota ihr eigenes Label "Kleingeldprinzessin Records", denn Unabhängigkeit war der Liedermacherin schon immer wichtig – ebenso wie die klangliche Ausgefeiltheit der Arrangements und gute Texte.

"Texte müssen irgendwie zugänglich sein, aber sie dürfen sich auch nicht völlig erklären. Ich glaube, es muss eine Ebene bleiben, die irgendwie mehrschichtig und geheimnisvoll und mehrdeutig ist. Und es ist auf Deutsch tatsächlich schwer, Texte zu schreiben, die sich zurücknehmen und der Musik den Platz lassen." Dass gute Texte Wirkung entfalten können, zeigte sich zum Beispiel an dem Song "Grenzen" im Jahr 2016. Das Lied brachte die traurige Realität der Flüchtlingskrise auf den Punkt und erzeugte eine entsprechende Resonanz.

Statussymbole und Reichtum sind mir nicht wichtig.

Dota Kehr

Überhaupt zeigt Dota Kehr gern Haltung. "Es gibt so viele politische Themen, zu denen ich gern schreiben würde und es natürlich auch probiere. Wenn es aber kein gutes Lied wird, dann veröffentliche ich es auch nicht." Dazu gehört auch, dass Statussymbole, Reichtum und – bis zu einem gewissen Maße – Sicherheit für sie nicht wichtig seien. "So lange ich umgeben bin von einem Netzwerk von Freunden und da irgendwie die Liebe ist und der Umgang miteinander, dann sind doch Reichtum und Status völlig egal." Daher veröffentlich sie über ihr Label auch ziemlich kompromisslos das, was sie selbst gut und richtig findet.

Was der Produzentin widerstrebt, ist die immer größer werdende Abhängigkeit von Streaming-Diensten. "Je mehr sich das verschiebt, weg vom Tonträger hin zum Streaming, umso monopolistischer ist dieser Markt. Die bieten alle ungefähr das Gleiche an zum gleichen Preis und wenn man da nicht mitspielt, ist man da ganz schnell draußen und wird nachteilig behandelt. Für uns als Band liegt die Unabhängigkeit in dem physischen Tonträger."

Ein besonderes Projekt war in 2020 das Album "Mascha Kaléko", in dem die Sängerin die Texte der jüdischen Lyrikerin Mascha Kaléko vertont hat. Die dazugehörige Tour konnte aufgrund der Pandemie nicht wie geplant stattfinden. "Ich bin schon ziemlich niedergeschlagen darüber, dass keine Konzerte möglich sind. Ich sehe das völlig ein und will das auch gar nicht anzweifeln. Aber Konzerte waren einfach der Hauptbestandteil meiner Arbeit und ich stehe gern auf der Bühne und die Leute kommen offensichtlich auch gern zu den Konzerten. Es fehlt mir einfach sehr."

Immerhin konnte die konzertfreie Zeit für die Aufnahme eines neuen Albums genutzt werden – "Wir rufen dich, Galaktika" von Dota erscheint am 28. Mai 2021.

Die Geschichte hinter dem Song

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 19. März 2021, 18:05 Uhr