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Der Samstagvormittag mit Stefanie Pesch

Im Porträt Kein Vergessen: Cellist Don Jaffé hat den Holocaust überlebt

Autorinnen und Autoren

Don Jaffé
Don Jaffé hat vor 45 Jahren in Bremen eine Heimat gefunden. Bild: Radio Bremen | Till Lorenzen

Der deutsch-israelische Cellist und Komponist Don Jaffé wurde 1933 im lettischen Riga geboren. Als Kind musste er mit seiner Familie vor den Nazis fliehen, ein Großteil seiner jüdischen Familie aber wurde ermordet. Die Vernichtung, die Trauer, das Überleben – das hat Don Jaffé auch in seiner Musik verarbeitet. Auf der ganzen Welt spielte er erfolgreich in Orchestern, zuletzt 24 Jahre für das Bremer Staatsorchester.

Gesprächszeit "Das war so schrecklich, das kann man nicht vergessen" – Don Jaffé

Als Kind musste Don Jaffé mit seiner Familie vor den Nazis fliehen. Die Vernichtung der Juden und das Überleben hat der Cellist auch in seiner Musik verarbeitet.

Don Jaffé
Don Jaffé Bild: Radio Bremen | Till Lorenzen
Bild: Radio Bremen | Till Lorenzen

"Mein Leben in der Sowjetunion war schrecklich. Meine ganz frühe Kindheit war auch nicht schön", sagt Don Jaffé. Ende der 1930er Jahre lebte er mit seiner Familie im lettischen Riga in armen und beengten Verhältnissen. Lettland hatte gerade seine Unabhängigkeit verloren und wurde auf der einen Seite von der Sowjetunion und auf der anderen Seite vom nationalsozialistischen Deutschland bedroht. In Jaffés Familie sprach man Russisch, Lettisch, aber auch Deutsch. Denn sein Vater Jakov Jaffé hatte in Berlin studiert und seine Mutter Ella war auf eine deutsche Schule gegangen. "In meiner Familie sprach man Deutsch, aber mich hat man gewarnt. Als die Sowjets kamen, durfte ich kein Wort auf Deutsch sagen."

Das war so schrecklich, das kann man nicht vergessen.

Don Jaffé über seine Flucht 1941 von Lettland nach Russland

Seine Familie war jüdisch, aber nicht gläubig. Als spielendes Kind auf der Straße ahnte Don Jaffé noch nicht, dass seine Religion überhaupt einmal eine Rolle spielen würde. 1941 aber entschied das Jüdisch-Sein plötzlich über Leben und Tod. Die Nationalsozialisten waren in Lettland einmarschiert und Jaffés Familie musste fliehen. Obwohl er erst acht Jahre alt war, haben sich die Ereignisse tief in Don Jaffés Gedächtnis eingegraben: "Das war so schrecklich, das kann man nicht vergessen."

Mein Vater hat verstanden, dass wir in sehr großer Gefahr sind.

Don Jaffé über die Zeit des Nationalsozialismus

Zu Fuß machte sich die Familie – im Schatten von russischen Soldaten, Panzern und schweren Lastwagen, die sich aus Riga zurückzogen – auf nach Russland. Die Fluchtroute wurde bombardiert, ein Bombensplitter verletzte den damals achtjährigen Don Jaffé am Kopf. An der lettisch-russischen Grenze dann die erste Zurückweisung: Trotz sowjetischer Pässe wollte man die Familie nicht durchlassen. Über ein Waldgebiet gelangten die Jaffés doch noch auf sowjetischen Boden, aber Jaffés Vater entschied sich schnell für eine Ausreise nach Palästina, das damals unter englischem Mandat stand. "Mein Vater hat verstanden, dass wir in sehr großer Gefahr sind", erinnert sich Don Jaffé heute.

Rückkehr aus Sibirien nach Lettland

Doch in Usbekistan, wo man auf Schleuser hoffte, zerschlugen sich die Hoffnungen auf einen sicheren Hafen im Ausland. Don Jaffés Eltern landeten stattdessen im bitterkalten Sibirien, wo der Vater in einem Elektrizitätswerk schuftete und trotzdem alle Hunger litten. 1944 ging die Familie nach Riga zurück. "Wir haben keine andere Wahl gehabt. In Russland wollten wir nicht bleiben, ins Ausland konnten wir nicht kommen, nach Palästina erst recht nicht. Hätten wir nur ein Wort gesagt, dass wir Russland verlassen wollen, dann hätte uns im besten Fall der Tod erwartet – oder Sibirien, wo die Arbeit so schwer ist, dass die Stärksten nach drei Jahren sterben." Die Letten hatten inzwischen mit den Nazis kollaboriert. Die Juden, die geblieben waren, waren von Nazis und Letten ermordet worden – unter anderen die komplette Familie von Jaffés Mutter. Väterlicherseits hatten nur wenige Familienmitglieder – ein Bruder und eine Schwester – das Grauen der Nationalsozialisten überlebt.

Konzerte auf der ganzen Welt

Die Vernichtung, die Trauer, das Überleben – das hat Don Jaffé auch in seiner Musik verarbeitet. Als 14-Jähriger wurde er in Riga an einer Musikschule für besonders begabte Kinder aufgenommen und begann, Cello zu spielen. In vier statt zehn Jahren schloss er die Schule ab: "Ich habe einen genialen Lehrer gehabt. Er hat scheinbar verstanden, dass ich eine außerordentliche Begabung habe, und hat das Material angepasst. Er hat mir schwierige Werke gegeben." Jaffé spielte als Solist, als Kammermusiker und in Orchestern der ganzen Welt: in Jerusalem, in Berlin und 24 Jahre lang im Bremer Staatsorchester, den heutigen Bremer Philharmonikern. Seit 1975 lebt er in Bremen und er hat nach der Zeit als aktiver Orchestermusiker mit dem Komponieren begonnen.

Meine Zeit in Deutschland war ein riesiger Unterschied im Vergleich mit der Zeit in der Sowjetunion.

Don Jaffé, wenn er auf sein Leben zurückblickt

Seit 65 Jahren ist Don Jaffé mit seiner Frau Elza verheiratet: "Ich bin sehr glücklich – wir sind ein fantastisches Paar", freut sich der heute 88-Jährige. Die Liebe zur Musik hat Jaffé an seinen Sohn Ramón, der ebenfalls Cellist ist, und seine Enkelin Serafina, die ihre Liebe zur Harfe entdeckt hat, weitergegeben. "Meine Zeit in Deutschland war ein riesiger Unterschied im Vergleich mit der Zeit in der Sowjetunion. Ich war sehr befriedigt in meinem Leben und glücklich. Wirklich glücklich", sagt Don Jaffé, wenn er zurückblickt. Ihm ist es wichtig, dass seine Musik weiterlebt und seine Geschichte nicht vergessen wird: "Jetzt, wenn ich höre, dass wieder Antisemitismus kommt: Das habe ich nicht erwartet, muss ich sagen. Ich hoffe, das geht vorüber."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 9. November 2021, 18:05 Uhr