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Die Nacht

Im Porträt Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow über die Verantwortung als Künstler

Autorinnen und Autoren

Tocotronic
Mit seiner Band Tocotronic hat Dirk von Lowtzow (rechts im Bild) das 13. Album "Nie wieder Krieg“ veröffentlicht. Es erscheint am 28. Januar 2022. Bild: Profiler Promotion | Gloria Endres de Oliveira

Dirk von Lowtzow guckt gerne hinter die Dinge, statt nur an der Oberfläche zu kratzen. Mit seiner Band Tocotronic hat er im Januar sein 13. Studioalbum veröffentlicht, dessen Titel "Nie wieder Krieg" wie ein Statement gegen Waffengewalt klingt. Doch stattdessen blickt der Titelsong in eine zerrissene Seele.

Dirk von Lowtzow

Gesprächszeit "Nie wieder Krieg ist eigentlich eine Mogelpackung" – Dirk von Lowtzow

Dirk von Lowtzow veröffentlicht mit seiner Band Tocotronic nun schon sein 13. Studioalbum. Der Titelsong "Nie wieder Krieg" blickt in eine zerrissene Seele.

Bild: Imago | Future Image/Frederic

Die Songs für "Nie wieder Krieg" – das neue Tocotronic-Album – sind im wesentlichen bereits vor der Pandemie entstanden. Eingespielt haben Dirk von Lowtzow und seine Band sie zum Teil live in den Hansa-Studios in Berlin. In den letzten Jahren ein eher unübliches Aufnahmesetting: "Das ist meist auch dem Charakter der Songs geschuldet. Es gibt Songs, die sind sehr elaboriert und arrangiert. Und das erfordert dann so eine gestückelte Aufnahme. Aber es gibt auch Songs, die ganz rudimentär mit Bass, Schlagzeug, Gitarre und Gesang funktionieren." Und dann war der Gedanke da: Wie klingt es wohl, wenn wir es so aufnehmen, wie wir mal als Band angefangen haben?

Menschen am Kipppunkt ihrer Existenz

Schon immer gab es bei Tocotronic Song- und Albumtitel, die wie Slogans klingen. "Pure Vernunft darf niemals siegen" oder "Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein" sind solche Wortschöpfungen, die Bilder zeichnen und den popkulturellen Diskurs anregen. Nun also "Nie wieder Krieg", und dieser Song sei eigentlich eine Mogelpackung, so Dirk von Lowtzow: "Der Song ist ja gar kein Anti-Kriegslied. Sondern es ist eigentlich ein Song über Menschen, die im Konflikt – man könnte vielleicht sagen, im Krieg mit sich selber – stehen. Die also sehr vulnerable Subjekte sind. Und der Song blickt eigentlich ziemlich zärtlich und verständnisvoll auf diese Menschen, die da am Kipppunkt ihrer Existenz stehen."

Ich nehm' die ganz rudimentär mit dem Handy auf, und dann beginnt ein sehr langer Prozess, in dem wir an den Songs arbeiten.

Dirk von Lowtzow über das Musikschreiben mit seiner Band
Dirk von Lowtzow
Dirk von Lowtzow ist der Kopf der Band "Tocotronic" Bild: Imago | POP-EYE

Auch wenn seine Texte manchmal rätselhaft erscheinen, weiß von Lowtzow genau, was er damit sagen will. Die meistens Songs schreibt er alleine zuhause mit der Akustikgitarre und schickt die Song-Skizzen dann zu seinen anderen Band-Mitgliedern: "Ich nehm' die ganz rudimentär mit dem Handy auf und dann beginnt ein sehr langer Prozess, in dem wir an den Songs arbeiten, gemeinsam den Song arrangieren, besprechen, diskutieren, Kürzungen vornehmen, streichen – alles, was man sich so vorstellen kann." Am Ende landet der Song auf einer Platte – oder wird in den Mülleimer geschmissen, erzählt Dirk von Lowtzow lachend.

Geprägt von Underground, Punk, Alternative- und Indie-Rock

Dirk von Lowtzow, der ein passionierter Leser und Cineast ist, guckt hinter die Dinge und bleibt nicht nur an der Oberfläche. Kultur, Philosophie und Popkultur haben den heute 50-Jährigen immer beeinflusst. Groß geworden ist er im baden-württembergischen Offenburg: "Im Grunde genommen kann man nicht meckern, da aufgewachsen zu sein, aber es ist nicht gerade der Nabel der Welt", schmunzelt der Musiker. Seit er 14 ist, war Dirk von Lowtzow Mitglied verschiedener Bands, geprägt von Underground, Punk, Alternative- und Indie-Rock. Schnell schrieb er auch eigene Songs: "Ich war immer ein bisschen zu faul, mir diese Skills anzueignen, um dann die Songs von anderen nachahmen zu können. Und gleichzeitig hatte ich Lust, eigene Songs, Musik und Texte zu machen."

Das ist eigentlich eine Zufallsbegegnung, die man sozusagen in eine Schicksalsgemeinschaft umgemünzt hat.

Über den Glücksfall, seine Band-Mitglieder kennenzulernen

An der Hamburger Uni lernte er seine künftigen Band-Mitglieder kennen: "Das ist eigentlich eine Zufallsbegegnung, die man sozusagen in eine Schicksalsgemeinschaft umgemünzt hat“, erinnert sich der Musiker. In einem Hamburger Hochbunker spielte er seinen neuen Freunden ein paar Songs vor, schnell folgten die ersten Auftritte, nachdem sich Tocotronic 1993 in Hamburg gegründet hatte. Im Lauf der Jahrzehnte entwickelte sich die Band, die immer wieder im gleichen Atemzug mit der "Hamburger Schule" genannt wird, von ihren punkigen Anfängen hin zu einer Art elegantem Indie-Pop.

Mir gefällt, wie der Dachs die meiste Zeit unter der Erde lebt und nur ab und an rausguckt. Er hat was angenehm Widerborstiges.

Dirk von Lowtzow über den Titel seines Buches "Aus dem Dachsbau"

Parallel zum letzten Album "Die Unendlichkeit" schrieb Dirk von Lowtzow 2018 auch sein erstes biografisch geprägtes Buch, in dem er sein Leben und seine Kunst durchmisst: "Ich hatte das Gefühl, da ist noch einiges, was man zu Papier bringen kann, aber das man nicht unbedingt in Songs packen muss oder kann." Das Buch heißt "Aus dem Dachsbau", und mit diesem Tier kann Dirk von Lowtzow viel anfangen: "Ich liebe Dachse, ich finde sie wahnsinnig niedlich, aber sie sind ja auch ein bisschen eigenwillig. Mir gefällt, wie der Dachs die meiste Zeit unter der Erde lebt und nur ab und an rausguckt. Er hat was angenehm Widerborstiges." Gleichzeitig betont Dirk von Lowtzow, dass man sich als Künstler selbst nicht so furchtbar ernst und wichtig nehmen sollte. Aber: "Die Sache, an der man arbeitet, die sollte man sehr ernst nehmen. Dafür sollte man auch Verantwortung übernehmen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 28. Januar 2022, 18:05 Uhr