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Der Samstagvormittag mit Julian Beyer

Interview Der Bremer Autor David Safier über seinen Roman "28 Tage lang"

Autoren

  • Lina Brunnée
Von den Nazis gefangene Juden im Warschauer Ghetto (Archivbild)
Dieses Bild ist eines der bekanntesten vom Aufstand im Warschauer Ghetto. David Safiers fiktive Heldin schließt sich dem Aufstand an, der später brutal niedergeschlagen wird. Bild: Imago | Everett Collection

In seinem Roman "28 Tage lang" beschreibt David Safier die Geschichte des Mädchens Mira, das sich 1943 einem Aufstand im Warschauer Ghetto anschließt. Genau 28 Tage hält der Widerstand den Nationalsozialisten stand. "Was für ein Mensch willst du sein, wie würdest du dich verhalten in so einer Situation? Würdest du töten, würdest du Leben retten, würdest du dein eigenes Leben einsetzen für andere?" So beschreibt David Safier die universellen Fragen, die er darin aufwirft. Radio Bremen hat aus dem Roman jetzt ein Hörspiel gemacht.

Bremen Zwei: Wer ist Mira?
David Safier: Mira ist eine erfundene Figur. Sie ist eine 17-jährige junge Frau, die mit ihrer kleinen Schwester und ihrer Mutter im Warschauer Ghetto lebt. Der Vater ist bereits gestorben. Ich habe recherchiertes Material benutzt und das in diese Figur hineingetan, um zu zeigen, wie das Leben im Warschauer Ghetto war – wie es war, als die Menschen deportiert wurden und die Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten gekämpft haben.
Wie entstand Mira? Basiert sie auf einer echten Person?
Mira ist inspiriert von vielen verschiedenen Menschen. Der Name kommt von Mira Furcher, einer Widerstandskämpferin. Vieles kommt auch von Vladka Meed, die es im Ghetto gegeben hat und die vieles von dem, was Mira im Roman erlebt, tatsächlich erlebt hat.
Der Autor David Safier sitzt in einem Bürostuhl bei Radio Bremen.
David Safier hat selbst jüdische Wurzeln. Seine Großeltern väterlicherseits starben im Holocaust; sein Vater musste 1938 aus Wien fliehen. Bild: Radio Bremen | Tammo Jans
Wie entstand die Idee zu Ihrem Buch?
1993, zum 50. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto, wurde ich gebeten, eine Rede dazu zu halten. Damals war ich ein junger Journalist, und ich habe mich das erste Mal so richtig intensiv mit dem Warschauer Ghetto beschäftigt. Das hat mich irgendwie nie losgelassen.

Ich habe dann viele, viele Jahre später diesen Roman in Angriff genommen. Dafür haben wir enorm viel recherchiert. In erster Linie habe ich sehr, sehr viele Biografien gelesen, aber auch sehr, sehr viele Sachbücher darüber. Das Warschauer Ghetto ist sensationell dokumentiert.

Es gibt es zum Beispiel das Ringelblum-Archiv. Menschen haben damals, weil sie wussten, sie werden sterben, bereits Aufzeichnungen im Boden vergraben für die Nachwelt. Und dadurch weiß man auch ganz viele Kleinigkeiten, zum Beispiel, wie die Schwarzmarktpreise waren im Warschauer Ghetto. Es hat sehr lang gedauert sich da reinzuknien. Aber es war auch eine sehr spannende und intensiver Arbeit.
Trotz aller Schrecken im Ghetto gibt es immer wieder kurze Momente der Hoffnung, des Glücks. Warum war es Ihnen wichtig, das auch darzustellen?
Im Warschauer Ghetto kann man zwar das Schlimmste erleben, was Menschen tun können, aber auch das Großartigste. Menschen haben anderen Menschen geholfen. Menschen waren auch füreinander da, selbst im größten Elend. Es war mir wichtig, auch diesen Aspekt herauszuarbeiten, weil mich das eigentlich am meisten berührt hat. Dass es großartige Menschen gab, die für andere ihr Leben geopfert haben. Die haben aber auch einfach nur Suppe gekocht für Hungernde. Das ist wirklich für mich das Beeindruckendste gewesen an der ganzen Geschichte. Es war mir sehr wichtig, dass es in dem Roman auch auftaucht.
Warum ist es für Sie wichtig, über das Ghetto zu sprechen? 
Ich habe diesen Roman geschrieben für Menschen, die normalerweise keine Holocaust-Romane lesen. Es war schon mein Ziel, auch jüngere Menschen damit zu erreichen und ihnen diese Geschichte nahezubringen.

Die Kernfrage in dem Roman ist: Was für ein Mensch willst du sein? Diese Frage haben Menschen im Ghetto ganz unterschiedlich beantwortet. Einige sind in den Widerstand gegangen, andere haben andere verraten, um überhaupt zu überleben.

Aber diese Frage ist ja für jeden Menschen zu jeder Zeit gültig, also selbst in unserem Alltag: Was will ich eigentlich für ein Mensch sein? Will ich jetzt derjenige sein, der vielleicht einen Arbeitskollegen austrickst, nur, um einen eigenen Vorteil zu haben? Oder will ich jemand sein, der anderen hilft? Das ist eine allgemeine universelle Frage. Ganz losgelöst von diesem historischen Stoff.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Hörspiel, 25. April 2021, 18:05 Uhr