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Die Nacht

Im Porträt Sprachkünstler Clemens J. Setz: Darum sind Ziegen seine Vorbilder

Autorinnen

Der österreichischee Schriftsteller Clemens J. Setz.
Lebt heute in Wien und ist auch auf Twitter zuhause: Büchner-Preisträger Clemens J. Setz. Bild: DPA | Helmut Fricke

Clemens J. Setz steht ungern im Licht der Öffentlichkeit. Doch die Scheinwerfer über dem österreichischen Schriftsteller, Übersetzer und Twitter-Poeten strahlen hell, seit er im November 2021 den Georg-Büchner-Preis für seine Sprachkunst verliehen bekommen hat.

Der österreichischee Schriftsteller Clemens J. Setz.

Gesprächszeit "Die Ziege ist für mich Vorbild" – Clemens J. Setz

Clemens J. Setz hat im November 2021 den Georg-Büchner-Preis verliehen bekommen. Seither steht der Schriftsteller und Twitter-Poet im Licht der Öffentlichkeit.

Bild: DPA | Helmut Fricke

Clemens Setz bezeichnet sich selbst als Synästheten. Das sind Menschen, die zum Beispiel Klänge als Farben wahrnehmen oder Geschmäcker als Formen. Bei Setz sind es Buchstaben – und deshalb lässt er seinen zweiten Vornamen "Johann" als Initial mit auf seine Bücher drucken. "Es sieht für mich ein bisschen ausgeglichener aus", erklärt der Schriftsteller. Denn die drei "E's" in seinem Namen machen diesen für ihn beige und weiß: "Das 'J' ist für mich – ästhetisch – so braun. Das hat einen schöneren Kontrast und sieht nicht so gleichförmig aus." Silben haben für Setz bestimmte Gestalten und Farben, Zahlen haben komplexe Formen. "Man ist vollkommen allein mit dieser Empfindung und trotzdem berichtet man ganz gern darüber, weil es einfach so ein interessantes Ding im Kopf ist. Aber man kann es niemandem vermitteln", so Clemens J. Setz über sein Leben als Synästhet.

Ich bin einige Male stark umgekrempelt worden und hab' mich gewandelt.

Clemens J. Setz

Der Schriftsteller wurde 1982 in Graz geboren und wuchs dort als Sohn eines Bauingenieurs und einer Ärztin auf. Wenn er von sich als Jugendlichem schreibt oder erzählt, ergibt sich das Bild eines nerdigen, ein bisschen unbeliebten Außenseiters, der zu keiner Party eingeladen wird und wie besessen am Computer spielt und programmiert. "Meine Erinnerung ist, dass ich sehr spielversessen war. Ich war von Figuren und von ihrer Vollständigkeit besessen. Also, ich musste immer alle besitzen von dieser Figurenreihe – so "G.I. Joe"-Figuren und so. Ich war ein Sammler und Katalogisierkind".

Es gibt nicht den einen "Clemens J. Setz", ist der 39-Jährige überzeugt. Seine Rituale, seine politischen Meinungen, sein ganzes Mensch-Sein habe sich immer wieder gewandelt: "Ich bin einige Male stark umgekrempelt worden und hab' mich verwandelt. Also weiß ich nicht, ob der Clemens mit fünf oder mit zehn Jahren eine starke Herkunftsgeschichte bieten kann – oder sind das einfach nur Akkordfolgen, die das Universum spielt?"

Exzessiver Schreiber und Twitter-Poet

Setz hat Mathematik und Germanistik auf Lehramt studiert. Dass der Lehrerberuf allerdings nichts für ihn ist – das hat ein bisschen gedauert, bis er das merkte. Während des Studiums fing er an zu schreiben und entwickelte sich ganz allmählich zum exzessiven Schreiber. Inzwischen hat er mehr als zehn Bücher veröffentlicht, unter anderem einen Gedichtband, die Romane "Die Frequenzen", "Indigo" und "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre", einen Erzählband sowie ein erzählendes Sachbuch. Daneben schreibt er auf Twitter regelmäßig Gedichte. Die Form ist immer unterschiedlich, aber den Texten ist gemeinsam, dass sie sich zum Teil aus Fundstücken speisen – aus Zitaten, Bildern, Zeitungsartikeln, Buchseiten: "Das hat sehr stark begonnen, als ich auf Facebook gekommen bin – 2009, glaube ich, war das. Da habe ich jeden Tag so ein Fundstück hinaufgetan. Wie so ein kleiner absurder Nachrichten-Bot", erzählt Setz. "Das ist also eine Art Charakterzug meiner Texte.“

Ich bete immer darum, dass ich mehr so sein möge.

Clemens J. Setz über Ziegen

Computer und das Internet sind untrennbar mit Clemens J. Setz' Schaffen verbunden. Als Literat hat ihn die Blütezeit der "Twitter-Poesie" stark beeinflusst, aber manchmal könnte er sich auch vorstellen, als Erfinder von Computerspielen zu arbeiten: "Die Logik von Computerspielen, auch das Raumgefühl von Computerspielen, die Art, welche Schicksale Computerspielfiguren erleben, das hat alles – meine Philosophie, mein Weltbild – geprägt."

Die Ziege als Vorbild

Darüber hinaus hat Setz eine Schwäche für Tiere. Mit der Ziege hat er so etwas wie einen Tier-Patron: "Die Ziege ist für mich das Vorbild, wie ich lieber sein würde. Nämlich stur, anmutig, schwerelos. Sie können auf Mauern lang tänzeln und stürzen nie ab." Clemens J. Setz liebt an Ziegen auch das Kecke und Alberne, aber auch ihr stolzes, selbstbewusstes Auftreten. "Und ich bete immer darum, dass ich mehr so sein möge", schmunzelt der Schriftsteller.

Der innere Kompass zeigt den Weg

Was auffällt: Kaum eine seiner Erzählungen kommt ohne Grausamkeit aus. Aber woher kommt dieser Fokus auf Demütigung und Gewalt? "Aus irgendeinem Grund kommt es mir sehr über-über-vorhanden vor im Alltag. Ich muss es nicht suchen, sondern muss es eher kleiner machen in den Büchern, damit es nicht so extrem wird." Grausamkeit sei ein menschlicher Grundzug, sagt Setz: "Ich bin ja auch ein grausamer Mensch, das ist so. Ich bin oft sehr eiskalt, sehr mitleidslos. Und das kommt dann auch vor in den Büchern." Aber vielleicht, sagt Setz, werden seine Geschichten bald anders, weil er Vater wird: "Ich werde auf alle Fälle in die Richtung gehen, wo der innere Kompass hinzeigt." Und wer weiß, welchen Preis der diesjährige Träger des Georg-Büchner-Preises dann entgegennehmen wird.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 17. Dezember 2021, 18:05 Uhr