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Die Nacht

Im Porträt Bei Christoph Daum bleibt ein Teller an Weihnachten leer

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Christoph Daum
Christoph Daum sucht immer wieder neue Aufgaben. Zuletzt hat er ein Fußballprojekt in Indien angestoßen. Bild: DPA | Kirsten Nijhof

Rente mit 67? Dafür ist Christoph Daum, der innovative Motivator, der Laute und Unangepasste, noch lange nicht bereit. Er hat es in den neunziger Jahren als Bundesliga-Trainer weit nach oben geschafft, stürzte im Zuge seiner Kokain-Affäre aber auch brutal ab. Sie begleitet ihn bis heute – auch wenn die Ereignisse 20 Jahre zurückliegen.

Gesprächszeit "Fußball war für uns fast wie eine Religion" – Christoph Daum

Christoph Daum wurde als innovativer Motivator bekannt. Als Bundesliga-Trainer war er ganz oben, stürzte durch seine Kokain-Affäre aber auch brutal ab.

Christoph Daum
Bild: DPA | Kirsten Nijhof
Bild: DPA | Kirsten Nijhof

"Ich hatte mal vereinzelt, weit zurückliegend, blödsinnigerweise Kokain konsumiert. Das war ein Fehler, den ich sehr bedauere. Dafür habe ich einen hohen Preis bezahlt", erinnert sich Christoph Daum an den Tiefpunkt seiner Karriere. Denn trotz eines Freispruchs im späteren Gerichtsverfahren um eine Haarprobe war die öffentliche Verurteilung längst vollzogen. Den bereits zugesagten Posten als DFB-Nationaltrainer konnte Daum deshalb nicht antreten.

Da habe ich vierzig 1000-D-Mark-Scheine mit Tesafilm auf ein Stück Pappe geklebt.

Christoph Daum über eine Kabinenansprache vor einem Spiel gegen Werder Bremen

Seine sportliche Karriere setzte er im Ausland fort. Mit Beşiktaş und Fenerbahçe Istanbul wurde er türkischer Meister, in Österreich mit Austria Wien. Auch zuvor in der Bundesliga machte Daum mit seinen Trainingsmethoden Schlagzeilen. Zum Beispiel als sein 1. FC Köln zum Angstgegner Werder Bremen reisen musste: "Da habe ich vierzig 1000-D-Mark-Scheine mit Tesafilm auf ein Stück Pappe geklebt und sie den Spielern in der Umkleidekabine gezeigt. Die meisten von ihnen hatten noch nie so viel Geld auf einen Haufen gesehen." 40.000 D-Mark war damals die Prämie, die der Verein für den Meistertitel pro Spieler ausgelobt hatte. "Mir ging es in diesem Moment aber mehr darum, die angespannte Stimmung in der Kabine zu lockern und die Jungs auf andere Gedanken zu bringen."

Ein leerer Teller für einen imaginären Gast zu Weihnachten

Ein Griff in die mentale Trickkiste, der sich auszahlte. Denn ausnahmsweise verließen die Kölner das Weserstadion als Sieger. Diese und zahlreiche andere Anekdoten finden sich in Christoph Daums Autobiografie "Immer am Limit", die er jetzt mit dem Sportjournalisten Nils Bastek veröffentlicht hat. Ohnehin findet man Christoph Daum in Corona-Zeiten mehr am Schreibtisch, bei der Gartenarbeit oder in der Küche. Dort laufen die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest auf Hochtouren. Heiligabend serviert er seiner Familie "Neunerlei" – ein weihnachtlicher Brauch, der unter anderem im Erzgebirge gepflegt wird, wo Daum seine ersten Lebensjahre verbracht hat. Serviert werden neun verschiedene Speisen, denen man unterschiedliche Tugenden sowie Gesundheit und Wohlstand für das kommende Jahr zuspricht: "Dazu präsentiere ich Texte, die mal zum Schmunzeln, mal zum Nachdenken anregen. Denn wir haben immer ein zusätzliches, "freies" Gedeck am Tisch. Ein Symbol für einen imaginären Gast und die Nächstenliebe. Das finde ich sehr wichtig in einer Zeit, die zunehmend von Egoismus geprägt ist."

Ich hab' mich auf die Toilette zurückgezogen – und habe dort meinen Tränen freien Lauf gelassen.

Christoph Daum über die Deutsche Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart

Aufgewachsen ist Christoph Daum die ersten sechs Jahre im Erzgebirge und später dann im "Melting Pot" Ruhrgebiet. Das Gesetz der Straße war rau und in den Hinterhöfen stand das Kicken im Mittelpunkt: "Das war für uns fast wie eine Religion, das Fußballspielen. Das hat uns vereint und auch die Identifikation mit einem Verein war wichtig." Als Spieler reichte es nicht zur Top-Karriere, aber als Trainer ging es recht schnell mit einem Spitzenverein los. Beim 1. FC. Köln rutschte Christoph Daum als Interimstrainer rein, wurde eine erfolgreiche Dauerlösung und schaffte es bis zum Vizemeister. Mit dem VfB Stuttgart wurde er später, 1992, völlig unerwartet Deutscher Meister auf dem letzten Drücker: "Nach dem Schlusspfiff waren die Emotionen nicht mehr zu kontrollieren. Und ich wollte natürlich auch so ein bisschen einen auf den starken Mann machen und hab' mich auf die Toilette zurückgezogen, mich dort eingeschlossen – und habe dort meinen Tränen den freien Lauf gelassen."

Engagiert für ein Fußballprojekt in Indien

Christoph Daum erzählt in seinem Buch "Immer am Limit" viele Geschichten aus seinem Leben. Er erzählt von einer geplatzten Spielerverpflichtung mit Leverkusens Manager Reiner Calmund in Brasilien oder vom brennenden Stadiondach in der Türkei, das durch Feuerwerkskörper von fanatischen Fans entzündet wurde. Schon jetzt freut er sich darauf, dass er nach der Corona-Pandemie wieder reisen kann: Zum Beispiel nach Indien, wo er sich für ein kastenübergreifendes Fußball-Projekt engagiert.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 18. Dezember 2020, 18:05 Uhr