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Die Nacht

Im Porträt Ethikprofessorin Christiane Woopen über Freiheit und Moral

Autoren

Christiane Woopen
Christiane Woopen Bild: Christiane Woopen | Reiner Zensen

Intersexualität, Sterbehilfe, Babyklappe, Beschneidung oder Embryonen-Forschung – immer wenn es um knifflige moralische Fragen geht, ist Christiane Woopen gefragt. Sie ist Vorsitzende des europäische Ethikrats und sagt, dass am Ende unser Maßstab die Liebe zum Menschen sein sollte.

Gesprächszeit "Wir müssen uns allen die Möglichkeit gewähren, frei zu leben" - Christiane Woopen

Christiane Woopen ist Medizinerin und Philosophin und Vorsitzende des Europäischen Ethikrats. Sich mit kniffligen Fragen auseinanderzusetzen ist ihr Job.

Christiane Woopen
Christiane Woopen Bild: Christiane Woopen | Reiner Zensen
Bild: Christiane Woopen | Reiner Zensen

Die Fragen, mit denen sich Medizinerin und Philosophin Christiane Woopen in ihrer täglichen Arbeit auseinandersetzt, umfassen unser gesamtes menschliches Dasein. Es geht um Leben und Tod, um soziale Gerechtigkeit oder das Spannungsfeld von Freiheit und Sicherheit – und um unseren moralischen Kompass: "Diese Themen sind natürlich mit vielen Konflikten verbunden und es sind existenzielle Themen, aber damit sind sie eben auch sehr nah am Leben dran und an dem, was das menschliche Leben und das Menschsein ausmachen."

Wir müssen uns allen die Möglichkeit gewähren, frei zu leben.

Christiane Woopen über den Wert von Freiheit

Christiane Woopen hat Medizin studiert, weil es für sie ein wundervoller Beruf ist, für Menschen da zu sein. Als Mutter von vier kleinen Töchtern hat sie parallel Philosophie studiert und verbindet diese beiden Disziplinen heute als Professorin für Ethik und Theorie der Medizin in Köln und als Direktorin von "Ceres", einem Zentrum für interdisziplinäre Forschung zum Thema Gesundheit. Derzeit beschäftigt sie natürlich die Herausforderungen der Corona-Pandemie und der Wert der Demokratie unter diesen Bedingungen. Freiheit und Verantwortung muss man zusammen denken, sagt Christiane Woopen. Denn Freiheit heiße mitnichten, dass man machen könne, was man wolle. Die Freiheit des einen ende dort, wo die der anderen anfange. Beispiel Maskenverweigerer: Diese könnten natürlich für sich selbst entscheiden, eine Infektion in Kauf zu nehmen. Dass aber andere nicht infiziert werden – diese Verantwortung trägt trotzdem jeder und jede: "Wir müssen uns allen die Möglichkeit gewähren, frei zu leben. Und dazu gehört im eigenen Leben auch, sich an der ein oder anderen Stelle mehr einzuschränken, als es einem lieb wäre."

Nah an der Entscheidung, aber unabhängig

Christiane Woopen hofft, dass wir als Gesellschaft kreative Konzepte zum Weiterleben entwickeln, weil wir so schnell nicht zu einem "Leben wie davor" zurückkommen werden. Der Europäische Ethikrat, dessen Vorsitzende sie ist, nimmt zum Beispiel auch auch die Situation benachteiligter Bevölkerungsgruppen in der Pandemie in den Blick, macht Vorschläge und gibt der Politik schließlich Handlungsempfehlungen. Das ist ein großer Vorteil ihrer Arbeit, sagt Woopen: Sie arbeitet sehr nah am Entscheidungsgeschehen: "Auf der anderen Seite ist es natürlich dann die Kehrseite der Medaille, dass man Entscheidungen nicht treffen kann. Es ist eine Beratung. Aber das ist ein Preis, den man gut zahlen kann, wenn man dafür die Unabhängigkeit hat."

Mein ethischer Ausgangspunkt sind die Grundrechte und Freiheiten, so wie sie auch in der Verfassung geschützt sind.

Christiane Woopen über ihr ethisches Fundament

Durch ihre Arbeit mit ethischen Fragen hat Christiane Woopen auch schon mal ihre persönliche Meinung geändert. Zum Beispiel beim Thema Babyklappe, also der anonymen Abgabe von Kindern, die sie anfangs befürwortete. Durch viele Gespräche und Untersuchungen ist sie inzwischen überzeugt, dass es bessere Wege zur Abgabe von Kindern geben kann. Besonders herausfordernd war für Woopen auch das Thema Beschneidung: "Ich muss sagen, das hat mich sehr, sehr umgetrieben, weil es hier ja um tiefgreifende auch kulturelle Fragen geht, mit denen man in dieser Schärfe bei anderen Themen nicht konfrontiert ist." Durch viel lesen und Dialoge mit anderen, die ihr andere Perspektiven auf bestimmte Fragen eröffnen, kommt Woopen zu Entscheidungen. Verurteilungen und Moralisierungen sind ihr fremd. "Mein ethischer Ausgangspunkt sind die Grundrechte und Freiheiten, so wie sie auch in der Verfassung geschützt sind: Die Würde des Menschen, die Selbstbestimmung, die Privatheit, Gerechtigkeit, Nicht-Diskriminierung." Am Ende, sagt Christiane Woopen, sollte unser Maßstab die Liebe zum Menschen sein.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 17. November, 18:05 Uhr