Jetzt läuft:

Emeli Sandé Where I Sleep
  • Jetzt läuft:

    Emeli Sandé Where I Sleep
  • Davor lief:

  • Um> 18:33 Uhr lief: Andreas Kümmert Beside You
  • Um> 18:19 Uhr lief: Daisy & Lewis Kitty Black Van
  • Um> 18:07 Uhr lief: Bill Pritchard Victorious
  • Um> 17:56 Uhr lief: Amy Winehouse Rehab
  • Um> 17:53 Uhr lief: Paul McCartney I Can Bet
  • Um> 17:48 Uhr lief: Beth Nielsen Chapman Simple Things
  • Um> 17:45 Uhr lief: George Ezra Paradise
  • Um> 17:37 Uhr lief: Dawn Brothers Hold On To Your Love
  • Um> 17:33 Uhr lief: Iyeoka Simply Falling

Gesprächszeit mit Julia Meichsner

Im Porträt Wirtschaft und Gemeinwohl gehören für Christian Felber zusammen

Autorinnen

Gemeinwohl-Ökonom und Tänzer Christian Felber
Christian Felber möchte, dass das Ziel unseres Wirtschaftens das Gemeinwohl ist und nicht die Anhäufung von Kapital. Bild: José Luis Roca

Christian Felber fordert neue Spielregeln für die Wirtschaft. Der Autor und Tänzer hat eine Systemalternative entwickelt, die er "Gemeinwohl-Ökonomie" nennt.

Gesprächszeit "Das große Ganze im Gleichgewicht halten" - Christian Felber

Christian Felber fordert neue Spielregeln für die Wirtschaft. Der Autor und Tänzer hat eine Systemalternative entwickelt, die er Gemeinwohlökonomie nennt.

Gemeinwohl-Ökonom und Tänzer Christian Felber
Bild: José Luis Roca
Bild: José Luis Roca

Der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, ist für Christian Felber ein Wirtschaftsmodell, das er gerne hinter sich lassen würde. Er hat in Österreich die Genossenschaft für Gemeinwohl initiiert und ist überzeugt, dass in einer Gemeinwohl-Ökonomie Geld und Kapital nur Mittel zum Zweck für andere Ziele sein können: die Erfüllung von Menschenrechten, ein stabiles Klima und stabile Ökosysteme, ein gesellschaftlicher sozialer Zusammenhalt und eine gerechte Verteilung von Ressourcen und Chancen. "Jede einzelne Facette dieses Zukunftsmosaiks gibt es schon irgendwo auf der Welt. Das heißt: Nichts davon ist rein utopisch. Es ist nur noch an keinem Ort der Erde vollständig in dieser Ganzheit verwirklicht", sagt Felber.

Man muss die wirtschaftliche Praxis daran ausrichten, was eigentlich das große Ganze im Gleichgewicht hält.

Christian Felber über sein Modell der Gemeinwohl-Ökonomie

Christian Felber möchte, dass die Wirtschaft menschlicher wird. Unser Blick solle weg vom Wachstum des Bruttoinlandsprodukts – und hin zu einem guten, lebenswerten Leben. Unsere wirtschaftlichen Aktivitäten sollten der Gesellschaft und der Ökologie unseres Planeten nutzen.

Felber hat recherchiert, dass diese Idee alles andere als neu ist: Im alten Griechenland schrieb schon Aristoteles darüber – und dass Eigentum verpflichtet, steht bekanntermaßen auch in unserem Grundgesetz. Die Corona-Pandemie ist für den fast 48-jährigen Wiener ein perfekter Moment, um die Systemfrage zu stellen. Er hofft nach Finanzmarktkrise und Klimakrise auf einen gesellschaftlichen Weckruf.

Alle diese Teil-Krisen seien "Kollateralschäden" des Strebens nach maximalem Profit: "Und da muss man eben die wirtschaftliche Praxis daran ausrichten, was eigentlich das große Ganze im Gleichgewicht hält: Das ist eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftsweise und eine sozial gerechte Wirtschaftsweise. Das ist eine Wirtschaftsweise, wo sich die Macht nicht so sehr konzentriert – weder bei großen Unternehmen noch bei Personen – wo alle Menschen teilhaben und mitbestimmen dürfen."

Eine Wirtschaft für alle Sinne

In seinen Büchern befasst sich Christian Felber mit Geld, Handel und verschiedenen Wirtschaftsformen. Wenn er sich nur auf wirtschaftliche Kennzahlen und die aktuelle wirtschaftspolitische Situation konzentrieren und alles ausblenden würde, was das Leben lebenswert macht, würde er schnell depressiv werden, sagt Felber: "Meine persönliche Erfahrung war: Wenn ich den Tag mit dem Bücherstudium beginne, vom Bett aufstehend, geht es mir zum Mittag tendenziell schlecht oder melancholisch. Und vor 20 Jahren habe ich entdeckt, wenn ich den Tag mit körperlicher Aktivität oder Tanz beginne, dann geht es mir so prima, dass es mir an dem Tag gar nicht mehr schlecht gehen kann."

Ich verstehe mich grundsätzlich als tanzendes Wesen.

Christian Felber über seine Tanzleidenschaft

Also tanzt Christian Felber, der mal Spanisch, Psychologie und Soziologie studiert und auch Attac Österreich mitbegründet hat, täglich, um seine Sinne zu stimulieren. Gerne verbindet er seine Tanzleidenschaft mit seinen Vorträgen. Wenn er mal einen Vortrag tanzend halten darf, ist es für ihn eine "Hochzeit von zwei Welten". Und wenn er mal nicht tanzen darf, beginnt Felber seine Vorträge oft mit einem Kopfstand, um zu zeigen, dass er das kapitalistische Kopfstehen wieder auf die Beine stellen möchte: "Ich tanze nicht nur täglich, sondern ich verstehe mich grundsätzlich als tanzendes Wesen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 2. Dezember 2020, 18:05 Uhr