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Die Nacht

Im Porträt Warum Chris Lass trotz Schicksalsschlägen den Glauben nicht verliert

Autoren

Chris Lass
Ist seinem Glauben trotz Schicksalsschlägen treu geblieben: Chris Lass. Bild: Chris Lass | Marta Urbanelis

Er macht nichts, ohne es vorher mit Gott zu besprechen: Chris Lass leitet in Bremen und in Delmenhorst einen Gospelchor, ist Sänger und Musikproduzent. Er ist gläubiger Christ, macht aber zwischen evangelisch und katholisch keinen Unterschied: "Das sind so sehr trennende Kategorien und da bin ich gar kein Freund von".

Gesprächszeit "Gott ist wie ein Freund" – Chris Lass

Er macht nichts, ohne es vorher mit Gott auszumachen: Chris Lass leitet in Bremen und in Delmenhorst einen Gospelchor, ist Sänger und Musikproduzent.

Chris Lass
Chris Lass Bild: Chris Lass | Marta Urbanelis
Bild: Chris Lass | Marta Urbanelis

Er sing auf deutsch und englisch, sein aktuelles Album heißt "Don't lose your faith". Chris Lass singt über Gott und Glaube, weil es ihm einfach richtig gut tut. Im Gospel, sagt er, ist eigentlich alles erlaubt, und dass mit Gospelmusik viel ausgedrückt werden kann, davon ist er überzeugt: "Ich glaube, Gospelmusik hat eine ganz besondere Kraft."

Ich bin eher auf einer Reise und ich hab' viele Mitreisende – und wenn die mit mir singen, finde ich das richtig cool.

Chris Lass auf die Frage, warum er nicht Pastor geworden ist

Lass ist mit der Kirche groß geworden. Pastor zu werden, kam dem Musikliebhaber aber nie in den Sinn: "Ich bin kein Mensch, der irgendwas besser weiß oder besser versteht und anderen Leute erklären könnte, wie es läuft. Ich bin eher auf einer Reise und ich hab' viele Mitreisende – und wenn die mit mir singen, finde ich das richtig cool." Wohin ihn seine Reise noch führen wird, weiß Chris Lass nicht. Aber er weiß, dass er sich als Mensch immer wieder neu auf die Suche machen muss. Das war schon als Heranwachsender so, als er in einer Glaubenskrise steckte, und so wird es auch in Zukunft sein, ist er überzeugt.

Entführt von einem Al-Qaida-Terroristen

Chris Lass hat sich auch schon ernsthaft mit dem Tod auseinandersetzen müssen. Als er Anfang 20 war, wurde der heute 37-Jährige bei einer Bus-Entführung mit einer Waffe und einer Bombe bedroht: "Da gehen einem tausend Dinge durch den Kopf: 'Wie lange wird das gehen? Wie endet das hier?'"

Man merkte auf einmal, ich bin hier in einer existenziellen Ausnahmesituation.

Chris Lass über die Entführung, die er 2003 erlebt hat

Der Täter war ein 17-jähriger Al-Qaida-Anhänger, der nach den Anschlägen des 11. Septembers 2011 vier Mitglieder seiner Terrororganisation freipressen wollte. "Man merkte auf einmal: 'Ich bin hier in einer existenziellen Ausnahmesituation.'" Der Entführer zwang den Bus auf die Autobahn Richtung Hannover und Kassel und Chris Lass half das Gebet, um die Fahrt bis zur Befreiung zu überstehen: "Für mich ist Gott wie ein Freund. Wenn ich in Not bin und rufe einen Freund an, dann wünsche ich mir, dass er mir hilft, weil er mich lieb hat." Heute ist Lass froh, dass er die siebenstündige Geiselnahme ohne bleibende Ängste überstanden hat und die Ereignisse loslassen konnte: "Jemandem zu vergeben ist nicht nur für den anderen, sondern auch für einen selber ein ganz wichtiger Akt."

Ich glaube an Gott, gerade weil ja auch Schreckliches passiert.

Chris Lass über Schicksalsschläge, die seinen Glauben nicht erschüttert haben

Die Entführung war aber nicht das erste Mal, dass Lass' Glaube erschüttert wurde. Mit 14 Jahren musste er eine womöglich hoffnungsvolle Leichtathletik-Karriere aufgeben, weil ein Virus seinen Hüftkopf beschädigt hat. Im selben Jahr nahm sich sein Bruder, damals 22 Jahre alt, das Leben: "Das war für uns als Familie eine Situation, in der uns der Boden unter den Füßen weggerissen wurde." Doch weinen um seinen Bruder, das konnte Chris Lass zunächst nicht. Erst vier Jahre später flossen die Tränen, als ein Gospel-Song etwas in ihm anstieß: "Ich glaube an Gott, gerade weil ja auch Schreckliches passiert. Und ich glaube, dass er die Hoffnung für mich sein kann, dass Dinge, die in diesem Leben keinen Sinn ergeben und unfassbar schrecklich sind, in einer Welt nach dem Leben harmonisiert werden – gut werden, heil werden."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 9. Juli 2021, 18:05 Uhr