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Der Vormittag mit Britta Lumma

Im Porträt Grandseigneur der Bars: Charles Schumann

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Charles Schumann bei der Premiere des Dokumentarfilms
Am 15. September 2021 wird Bar-Ikone Charles Schumann 80 Jahre alt. Bild: dpa | Dave Bedrosian/Geisler-Fotopress

Gesprächszeit "Eine Bar ist auch immer ein Platz für die Verlorenen" – Charles Schumann

Charles Schumann hat ein Standardwerk für Drinks und Cocktails geschrieben und modelt für Herrenmode. Nun wird der legendäre Münchner Barkeeper 80 Jahre alt.

Charles Schumann bei der Premiere des Dokumentarfilms
Bild: dpa | Dave Bedrosian/Geisler-Fotopress
Bild: dpa | Dave Bedrosian/Geisler-Fotopress

Charles Schumann wurde in den letzten 40 Jahren zur Legende der Münchner Barkeeper. Er hat ein Standardwerk zum Thema Bartending geschrieben und er modelt für einen Herrenausstatter. Nun wird er 80 Jahre alt.

In seiner Münchner Bar trägt Charles Schumann eine weiße Kellnerjacke mit seinem Vornamen darauf –wie alle anderen Mitarbeiter auch. Zum Gespräch kommt er dagegen im roten Designeranzug. Jeden Tag, so sagt er, ist er im "Schumanns" am Münchner Hofgarten und serviert Cocktails und Bratkartoffeln. Für jeden Gast hat er eine Bemerkung parat, die manchmal grob klingt, aber eigentlich freundlich gemeint ist. Er hat sichtbar Spaß: "An dem Tag, an dem ich das Gefühl habe, es macht mir keinen Spaß mehr, an dem Tag gehe ich sofort."

Sicherheitskraft, Model – und seit über 40 Jahren Barkeeper

Seit fast 40 Jahren steht Schumann hinter dem Tresen seiner eigenen Bar und wurde in dieser Zeit zur Legende. Er hat das Standardwerk zum Thema Bartending geschrieben, das unter dem Tresen fast jedes Etablissements, in dem Cocktails gemixt werden, zu finden ist. Daneben modelt er für einen Herrenausstatter und war der Mittelpunkt mehrerer Dokumentarfilme. Doch weder die Jahrzehnte im Nachtleben noch seine zahlreichen "Nebenbeschäftigungen" scheinen bei Charles Schumann Spuren hinterlassen zu haben. Jetzt ist er 80 geworden, aber sein Alter sieht man ihm nicht an.

Ich hab' als Kellner und als Spüler gearbeitet.

Charles Schumann über die Zeit, als alles anfing

Auch heute noch boxt er gelegentlich und läuft regelmäßig. Und wenn man auf Schumanns 80 Lebensjahre zurückblickt, dann schaut man auf eine sehr bunte Vita. Als Karl-Georg Schuhmann wurde er 1941 in Franken geboren. Seine Familie schickte ihn ins Priesterseminar, doch dort hat es ihn nicht lange gehalten, ebensowenig wie auf der Wirtschaftsschule, die er danach besuchte.

Erst beim Bundesgrenzschutz bleibt er länger, von dort zieht es ihn ins Auswärtige Amt, bevor er das Abitur nachmacht und anfängt, in Italien und Frankreich in der Gastronomie zu arbeiten: "Ich hatte einen Kumpel, dessen Mutter eine Hähnchenbraterei in Italien hatte. Und dann hab ich gefragt, ob ich da arbeiten kann. Das war großartig. So bin ich nach Italien gekommen. Ich hab' als Kellner und als Spüler gearbeitet."

Die erste eigene Bar

Später zieht es Schumann nach München zurück, er arbeitet zunächst in Bars, bevor er Anfang der 1980er Jahre seine erste eigene Bar eröffnet. Die wird schnell zum Treffpunkt von Journalisten, Galeristen, Filmleuten und Künstlern. Doch die Schickeria wollte Schumann nicht unbedingt in seinem Laden haben. Man sei damals auch grob zu den Gästen gewesen, erinnert er sich. Heute dagegen, sagt Schumann, stehe für ihn die Gastfreundschaft im Vordergrund – sie sei das Wichtigste.

Eine Bar ist auch immer ein Platz für die Verlorenen.

Charles Schumann über seine Bar-Philosophie

Für viele Barkeeper ist er ein Vorbild – doch das, sagt er, will er gar nicht sein. Sein Leben sei viel zu individuell. Er reist gerne, vor allem nach Frankreich und nach Japan. In Bars geht er unterwegs eher selten. Aber für eine Dokumentation hat er Bars in aller Welt besucht und mit Kollegen über das Wesen von Bars philosophiert. Für ihn sind sie Orte, an denen sich Gleichgesinnte treffen. In seinen Läden pflegt er den bayerischen Stil des "Leben und leben lassen". Während in seiner Münchner Bar sich gutbetuchte Gäste ihre Cocktails schmecken lassen, geht wie selbstverständlich ein Verkäufer von Obdachlosenzeitungen zwischen den Tischreihen entlang. "Eine Bar ist auch immer ein Platz für die Verlorenen", ist Schumann überzeugt.

Wir brauchen jemanden, der die Bar besser macht.

Charles Schumann über die schwierige Nachfolger-Suche für seine Bars

Manchmal, so räumt Schumann ein, werde ihm das jetzt schon ein wenig zu viel. Und er macht sich Gedanken über seine Nachfolge. Jemanden zu finden, der seine Bars in seinem Sinne weiterführt, sei nicht einfach. "Wir brauchen jemanden, der die Bar besser macht". Seinen 80. Geburtstag will er nicht in seiner Bar verbringen. Sein Plan für den Geburtstag: "Einfach in die Wirtschaft gehen und gut essen".

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 15. September 2021, 18:05 Uhr