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Der Nachmittag mit Katrin Krämer

Im Porträt 100. Geburtstag der Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek

Autoren

  • Helena Brinkmann
Cato Bontjes van Beek, 1942
Cato Bontjes van Beek war eine lebensfrohe und aufgeschlossene Frau. Mit nur 22 Jahren wurde die Fischerhuderin von den Nazis ermordet. Bild: Archiv Saskia Bontjes van Beek

Die "Rote Kapelle" war eine Widerstandsgruppe gegen das Naziregime. Viele der Mitglieder wurden verhaftet und zum Tode verurteilt. Auch die 22-jährige Fischerhuderin.

Der Samstagvormittag Porträt der Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek

Die Fischerhuderin schließt sich während des Zweiten Weltkriegs der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" an. Mit 22 wird sie verhaftet und zum Tode verurteilt.

Audio vom 13. November 2020
Cato Bontjes van Beek balanciert einen Regenschrift auf der Nase während des Arbeitsdienstes in Ostpreussen, 1940
Bild: Archiv Saskia Bontjes van Beek

In ihren Träumen kehrt Cato Bontjes van Beek jede Nacht zurück an ihren Heimatort nach Fischerhude – und zu ihrer Familie. "Wie schön muss es jetzt in Fischerhude sein. Und im Moor. Denn den Herbst habe ich dort so gern", schreibt sie an ihre Mutter Olga.

In Olga Bontjes van Beeks Haus gingen Freigeister und Künstlerinnen ein und aus. Dort lauschten Cato und ihre beiden Geschwister schon als Kinder bis in die Nacht den politischen Diskussionen der Erwachsenen. Für sie war es der Ort, an dem sie ihre eigenen Gedanken, Träume und Ideen entfalten konnte.

"Ich habe meine Gedanken ganz umgestellt. Sodass ich nicht die Zelle als zu drückend empfinde. Morgens scheint die Sonne auf mein Bett und jetzt, des nachts, auch der Mond."

Cato Bontjes van Beek, 1942
Cato Bontjes van Beek, Widerstandskämpferin aus Fischerhude

Die dicken Wände und die Enge ihrer Zelle mit dem vergitterten Fenster – all das kann Cato Bontjes van Beek diese Erinnerungen und ihre innere Freiheit nicht nehmen. "Ich habe meine Gedanken ganz umgestellt. So, dass ich nicht die Zelle als zu drückend empfinde. Morgens scheint die Sonne auf mein Bett und jetzt, des nachts, auch der Mond", schreibt sie an ihre Mutter.

Seit zehn Monaten sitzt die 22-jährige Cato in Berlin im Gefängnis. Die Anklage: Beihilfe zur Vorbereitung des Hochverrats. Sie hatte sich der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" angeschlossen, Flugblätter entworfen und verteilt und zum Widerstand gegen das Naziregime aufgerufen, erzählt der Historiker Hermann Vinke:

"Sie war mit Sicherheit nicht naiv, sondern sie hat sehr genau gewusst, was sie gemacht hat. Sie hat geradezu darauf gewartet, nicht nur über den Nationalsozialismus und die Verbrechen der NS-Diktatur zu reden, zu diskutieren, was in ihren Kreisen immer der Fall war, sondern auch etwas zu tun."

Eine Jugend mit vielen künstlerischen Einflüssen

In ihrer Jugend kommt Cato viel herum. Zwei Jahre lang lebt sie bei Tante und Onkel in Amsterdam. Als sie 1933 zurück nach Fischerhude kommt, ist Hitler in Deutschland an der Macht. Ihre Eltern trennen sich, ihr Vater Jan geht nach Berlin, die Mutter bleibt in Fischerhude. Doch Cato bleibt dieselbe: ein aufgeschlossenes, lebenshungriges, eigensinniges Mädchen.

1936 geht Cato für ein Jahr als Au-pair nach England. Sie hat eine wunderbare Zeit; mit ihrem Gastvater darf sie zum ersten Mal in einem Segelflugzeug fliegen. Ab jetzt träumt sie davon, Pilotin zu werden. Als junge Frau voller Ideen und Pläne kommt sie zurück nach Deutschland. Hermann Vinke: "Sie war sehr offen, sie war den Dingen der Welt sehr zugewandt, sie wollte immer die Welt bereisen, sie wollte fliegen, sie hatte eine Ausstrahlung – wenn sie in einen Raum hinein kam, merkten die, die schon drin waren: Das ist Cato."

Aber Cato ist auch ein bodenständiger Mensch. Trotz der großen Pläne beginnt sie 1937 erst einmal eine Ausbildung in der Keramikwerkstatt ihres Vaters in Berlin. "Ich will mich erst einmal hier in Berlin umsehen und alles Weitere wird sich dann schon finden", beschließt die junge Frau. Cato Bontjes van Beek hat viel zu tun, denn neben der Arbeit lernt sie an den Wochenenden das Segelfliegen.

Der Krieg verändert alles

Als der Krieg beginnt, verändert sich das Leben der 19-Jährigen schlagartig. Bomben fallen auf Berlin – und Cato ist erschüttert. Sie wünscht sich zurück nach Fischerhude. Andererseits lernt sie in Berlin gerade interessante Menschen kennen – Schauspielerinnen, Schriftsteller, Künstlerinnen – und auch die Widerstandsgruppe "Rote Kapelle". Sie schreibt: "Ich bin kein politischer Mensch. Ich will nur eins sein – und das ist: ein Mensch." Endlich hat Cato Bontjes van Beek das Gefühl und die Hoffnung, etwas gegen die Nazis tun zu können.

"Ich bin kein politischer Mensch. Ich will nur eins sein – und das ist: ein Mensch."

Cato Bontjes van Beek, 1942
Cato Bontjes van Beek

Cato kann die Welt um sie herum nicht kampflos aufgeben. Ihr Inneres ist in Aufruhr. Sie verliebt sich in den verheirateten Heinz Strelow, der auch zur Roten Kapelle gehört. Und sie schreibt mit ihm das Flugblatt, in dem sie zum Widerstand gegen die Nazis aufruft. Die Aktion, die ihr schließlich zum Verhängnis wird.

"Meine liebe, liebe Mama. Wie kann ich dir nur sagen, dass ich so ruhig bin wie selten zuvor. In mir ist nur Liebe zu euch und zu allen übrigen Menschen." Das schreibt sie kurz vor ihrem Tod. Aufrecht geht Cato Bontjes van Beek am 5. August 1943 zu ihrer Hinrichtung. Die letzten Briefe an ihre Geschwister und ihre Mutter sind geschrieben. Ohne Groll scheidet sie mit nur 22 Jahren aus der Welt: "Auch hier im Gefängnis waren alle Menschen voller Liebe zu mir. Auf Wiedersehen meine liebe, liebe Mama – und grüße alle und alles von mir."

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Samstagvormittag, 14. November 2020, 11:50 Uhr.