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Im Porträt So leidet diese Bremerin unter Long Covid

Autoren

  • Frieda Ahrens
Eine Frau mit dunklen Haaren und gelben Shirt sitzt vor einer weißen Wand
Cansu Demirel kämpft sich nach einer Corona-Erkrankung in ihr altes Leben zurück. Bild: Radio Bremen | Frieda Ahrens

Über die Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung ist bisher wenig bekannt. Die Bremerin Cansu Demirel leidet auch ein halbes Jahr nach der Erkrankung noch an Kurzatmigkeit, Muskelschwäche, Schmerzen beim Sprechen und Schlucken und vor allem Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten.

Die Bremerin Cansu Demirel leidet unter Long Covid

Die Bremerin Cansu Demirel leidet auch noch ein halbes Jahr nach ihrer Corona-Erkrankung an den Langzeitfolgen.

Eine Frau mit dunklen Haaren und gelben Shirt sitzt vor einer weißen Wand
Bild: Radio Bremen | Frieda Ahrens
Bild: Radio Bremen | Frieda Ahrens

Cansu Demirel hatte im März Corona, war bis Ende Mai im Krankenhaus, lag dort die ersten sechs Wochen im Koma, und besuchte danach für eineinhalb Monate eine Reha-Klinik. Im Eingangsbereich ihrer Wohnung in Bremen steht ein Rollator. Im Wohnbereich hängen viele selbstgemalte Bilder an der Wand. Ihr jetziges Werk liegt halb fertig auf dem Tisch. Mit dem Zeichnen hat die 29-Jährige in der Reha-Klinik wieder angefangen. "Das war eine Beschäftigung für mich und gleichzeitig habe ich weiter trainiert – meine Fingermotorik."

Sechs Wochen Koma haben Spuren hinterlassen

Ich lag da, ich sag mal, wie eine Leiche. Keine Stimme. Ich kann nicht sagen, was ich fühle. Das ist einfach nur schlimm.

Cansu Demirel über den Moment, als sie aus dem Koma erwachte

Ihre Fingermotorik muss die junge Frau trainieren, da nach sechs Wochen Koma ihre Muskeln sehr schwach geworden sind. Als Cansu aufwachte, konnte sie erst nicht sprechen und schreiben: "Ich lag da, ich sag mal, wie eine Leiche. Keine Stimme. Ich kann mich nicht äußern. Ich kann nicht sagen, was ich fühle. Das ist einfach nur schlimm. Da kann man nur hoffen, dass die Krankenschwester und Ärzte alleine darauf kommen, was du sagen möchtest."

Außerdem wachte Cansu Demirel mit Verletzungen im Gesicht auf. Nach langem Drängen durftfe sie sich in einem Spiegel anschauen – und war geschockt. Die Ärzte sagen, die Verletzungen kommen von den Schläuchen und der Maske. Die junge Frau fühlt sich immer noch nicht wohl mit den Narben um ihren Mund. "Schon in der Reha habe ich mich am Anfang so geschämt wegen der Narben, dass ich gar nicht unter Menschen wollte."

"Wir müssen uns alle gegenseitig schützen"

Nicht nur die Narben hindern sie daran, in ihren Alltag zurückzukehren. Seit Juli ist sie wieder zuhause in Bremen, doch gesund ist sie noch nicht. Cansu Demirel leidet immer noch unter Muskelschwäche, Konzentrationsschwierigkeiten, Depressionen und sie hat Schmerzen beim Sprechen und Schlucken. Außerdem kann sie sich nicht mehr auf ihr Gedächtnis verlassen. Cansu Demirel erkennt gute Freunde oder Arbeitskollegen nicht wieder. Wenn sie spricht, muss sie immer wieder Pausen einlegen und etwas trinken. Ihre Stimme ist schwach, sie hat Wortfindungsschwierigkeiten.

Mindestens ein Jahr wird es noch dauern, bis sie einigermaßen fit ist, sagen die Ärzte. Die junge Frau nimmt 15 Tabletten am Tag und sie erzählt, dass weder die Tabletten, noch der Rollator von der Krankenkasse bezahlt werden. Sie ist noch bis Januar krankgeschrieben – das wird nicht reichen. Dabei will Cansu Demirel nichts lieber, als in ihr altes Leben zurückkehren. Sie möchte endlich wieder ihrem Job als Erzieherin nachgehen.

Man darf nicht nur an sich denken, man muss auch an die Mitmenschen denken. Wir müssen uns alle gegenseitig schützen.

Cansu Demirel ruft die Menschen auf, vorsichtig zu sein

Seit ein paar Wochen geht es ihr etwas besser, sie macht größere Fortschritte. Das ist wichtig, um die Motivation halten zu können. Große Angst, noch mal an Covid zu erkranken, hat sie trotzdem. Deswegen verlässt Cansu Demirel ihr Haus kaum. Trotz der steigenden Impfquote und den sich lockernden Regeln, ruft sie zur Vorsicht auf: "Man darf nicht nur an sich denken, man muss auch an die Mitmenschen denken. Wir müssen uns alle gegenseitig schützen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 22. September 2021, 11:40 Uhr