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Der Morgen mit Anja Goerz

Im Porträt Can Dündar: "Sie könnten mich morgen umbringen"

Autor

Can Dündar
Can Dündar lebt derzeit in Deutschland im Exil. Die Türkei fordert seine Auslieferung. Bild: DPA | Sven Simon

Die Wahrheit zu schützen – das ist sein Ziel. Aber Can Dündar hat einen hohen Preis für seine journalistische Arbeit in der Türkei bezahlt. Der ehemalige Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet gilt als Staatsfeind, nachdem er kritisch über den türkischen Geheimdienst berichtet hatte. Er wurde verhaftet, floh nach Deutschland ins Exil und konnte seine Frau dreieinhalb Jahre nicht sehen.

Gesprächszeit "Meine Aufgabe ist, die Wahrheit zu schützen" - Can Dündar

Can Dündar hat einen hohen Preis für seine journalistische Arbeit in der Türkei bezahlt. Er gilt als Staatsfeind und floh nach Deutschland ins Exil.

Audio vom 23. November 2020
Can Dündar
Bild: DPA | Sven Simon

"The aim of my life is defending the truth" - Can Dündar

Investigative Turkish journalist Can Dündar became an enemy of the state. For more than five years his life is at risk. Listen to the interview in English.

Audio vom 24. November 2020
Can Dündar
Bild: DPA | Sven Simon

Das Gefühl, sich frei bewegen zu können, hat Can Dündar Ende 2015 verlassen. Der Journalist saß im Gefängnis in Silivri ein, etwa 70 Kilometer von Istanbul entfernt: Isolationshaft für einen Artikel, den er veröffentlicht hatte. Darin bewies Dündar, dass der türkische Geheimdienst illegal Waffen an Islamisten in Syrien geliefert hat. Dieser Artikel hat sein Leben verändert, seitdem ist er auf der Hut: "Erdogan hat gesagt, ich werde einen hohen Preis für meinen Artikel bezahlen, und ich habe mich darauf eingestellt, dass ich möglicherweise Jahre in dieser kleinen Zelle verbringen muss. Aber wenn Du ein Journalist in der Türkei bist, der einen Herrscher wie Erdogan herausfordert, dann musst Du dich auf das Schlimmste einstellen."

Jemand muss den Preis bezahlen.

Can Dündar über seinen Kampf

Früher stand der Name Can Dündar für einen Dokumentarfilmer, einen Journalisten, einen Chefredakteur der renommierten Tageszeitung Cumhuriyet. Früher standen auch Texte von ihm in türkischen Schulbüchern. Da hatte die türkische Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan die Bücher noch nicht ausgetauscht, und da war der Name Dündar noch nicht von ihr gebrandmarkt worden. Heute steht Can Dündar auch für einen Terroristen, einen Spion und einen Staatsfeind. 35 Jahre Haft hat die Staatsanwaltschaft in der Türkei für ihn gefordert. "Mein Kampf bereitet nicht nur mir, sondern auch den Menschen, die ich liebe, viele Sorgen. Aber jemand muss den Preis bezahlen", sagt Dündar.

Mit seiner Familie wurde er unter Druck gesetzt

Can Dündar bezahlt seit über fünf Jahren. Er konnte zwar das Gefängnis verlassen, aber seine Freiheit hat er nicht wiederbekommen. Im September 2016 flüchtete er ins Exil nach Berlin. Schon nach wenigen Stunden wurde er auf der Straße beleidigt, Fotos von seinen Aufenthaltsorten landeten bei Twitter, heute bekommt er regelmäßig Polizeischutz. Dreieinhalb Jahre lang durften er und seine Frau Dilek sich nicht sehen, weil die türkische Regierung ihren Pass abgenommen hat, um Dündar unter Druck zu setzen: "Im Gefängnis zu stecken, das sind Journalisten, Autoren und Intellektuelle in der Türkei gewohnt, das ist Teil deines Lebens. Aber die Familienmitglieder festzuhalten, das war eine neue Maßnahme der Erdogan-Regierung."

Ich denke, dass sie mich morgen umbringen könnten.

Dündar über die Gefahr, der er auch in Deutschland ausgesetzt ist

Wenn Dündar darüber spricht, wird er ein emotionaler Mann, aber wenn es um seinen eigenen Tod geht, dann reagiert er sehr nüchtern: "Ich denke, dass sie mich morgen umbringen könnten." "Die" könnten viele sein: der türkische Geheimdienst oder fanatische Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan. Angst hat Dündar davor nicht: "Jemand muss sich opfern, seine Familie und seine Lieben."

Meine Aufgabe ist es, die Wahrheit zu schützen.

Can Dündar über seine Motivation

Can Dündars Vater war Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes und ein Patriot. Dass der eigene Sohn gut 50 Jahre nach seiner Geburt den türkischen Geheimdienst entlarvt und als Landesverräter gilt, ist mehr als nur Ironie des Schicksals. "Mein Ziel ist es nicht, mein Land zu verteidigen, sondern die Wahrheit zu schützen. Wenn also mein Land oder meine Regierung etwas Falsches tun, dann ist es als Journalist meine Aufgabe, die Wahrheit zu schützen", sagt der Journalist. Für seine journalistische Arbeit hat Can Dündar unter anderem den Menschenrechtspreis von Reporter ohne Grenzen und die Goldene Victoria für die Pressefreiheit erhalten.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 24. November, 18:05 Uhr