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Sounds mit Till Lorenzen

Was wir lesen 5 Bücher über Familie und andere Katastrophen

Autorinnen und Autoren

Bunte Bücher stehen und liegen auf einem weißen Tisch
Bild: Radio Bremen | Christof Kette

Väter und Töchter, ein fremder Bruder, eine neue Schwester: Familienbeziehungen prägen uns – im Guten wie im Schlechten. Und sie bieten Stoff für großartige Bücher. Esther Willbrandt, Katharina Mild und Markus Foppe stellen fünf davon vor.

Die eine bekommt eine neue Halbschwester, die andere verliert ihren Bruder: Um Familiengeheimnisse und Geschwisterliebe geht es in den eindrücklichen Romanen von Julia Schoch und Monika Helfer. Die Südkoreanerin Kim Hye-jin schreibt über einen Mutter-Tochter-Konflikt zwischen gesellschaftlichen Normen und Frauensolidarität, Matt Haig zeigt, wie ein Vater zerstört, was er am meisten liebt, und Bettina Flitner porträtiert selbstbewusste Frauen und ihre Väter.

1 Bettina Flitner, "Väter und Töchter": Bilder und Texte über eine besondere Beziehung

Buchcover Bettina Flitner, "Väter und Töchter"
Bettina Flitner, "Väter und Töchter", Elisabeth Sandmann Verlag, 144 Seiten, 29,95 Euro. Bild: Elisabeth Sandmann Verlag | Collage Sabina Weinrich

Die Fotografin Bettina Flitner hat 18 Väter und ihre erwachsenen Töchter besucht und sie gefragt, was ihre Beziehung ausmacht. In Fotos, Interviews und reportagigen Texten treffen wir Ranga Yogeshwar und seine Töchter Nanda, Nora und Selina im heimischen  Garten, begleiten die Schornsteinfegerin Katja und ihren Vater aufs Hausdach oder lassen uns von Franziska Walser erzählen, wie man als Tochter eines berühmten Autors den eigenen Weg ins Leben findet.

Jede Familie ist anders, jede Beziehung zwischen Vater und Tochter ist unterschiedlich – und doch erzählen sie alle davon, wie aus kleinen Mädchen starke, selbstbewusste Frauen wurden und welchen Anteil die Väter daran hatten.

Warum sich das Lesen lohnt

"Einfach machen! Du kannst das!" Diese Formel liest man immer wieder, wenn die Töchter in diesem Buch erzählen, wie ihre Väter sie auf das Leben vorbereitet haben. Ein Buch, das von Vertrauen erzählt, von Konflikten und Abenteuern. Ein Buch, aus dem Eltern viel über Erziehung lernen können und das Töchtern Mut macht, selbstbewusst den eigenen Weg zu gehen. 

In Kürze

#Vater-Tochter-Beziehung, #Portraitfotografie, #Interviews, #Empowerment

2 Matt Haig, "Der fürsorgliche Mr. Cave": eine Reise in die Seelenhölle

Buchcover Matt Haig, "Der fürsorgliche Mr. Cave"
Matt Haig, "Der fürsorgliche Mr. Cave", Droemer Knaur, 256 Seiten, 20 Euro. Bild: Droemer Knaur | Collage Sabina Weinrich

Was haben wir noch zu verlieren, wenn wir alles verloren haben? Das Schicksal meint es nicht gut mit dem Antiquitätenhändler Terence Cave. Seine Mutter, seine Frau und sein Sohn sind tot, einzig geblieben ist ihm seine über alles geliebte Tochter. Ein Vorzeigekind. Getrieben von Schuldgefühlen über den Verlust seiner Familie, treibt der Vater seine heranwachsende Tochter in die Enge und merkt erst viel zu spät, dass er zerstört, was er glaubt, mit seiner Fürsorge zu retten.

Warum sich das Lesen lohnt

Wenn Matt Haig über seelische Abgründe schreibt, dann weiß er sehr genau, wovon er spricht. Das merkt man jeder Zeile an. Und so wird aus einer Familiengeschichte ziemlich schnell eine Reise in das Innerste des Mr. Cave. Angst und Schuld treiben ihn immer tiefer in einen psychotischen Wahn, der allein ihm selbst völlig vernünftig erscheint. Und als Leser fährt man mit auf dieser Reise in die Seelenhölle, was manchmal durchaus schwer auszuhalten ist. Manchmal ist das Schlimmste, was man verlieren kann, einfach nur man selbst.  

 In Kürze

#Verlust #Familie #Wahn

3 Julia Schoch, "Das Vorkommnis. Biografie einer Frau": wenn das Fundament ins Wanken gerät 

Buchcover Julia Schoch, "Das Vorkommnis"
Julia Schoch, "Das Vorkommnis", DTV, 192 Sweiten, 20 Euro Bild: DTV | Collage Sabina Weinrich

"Wir haben übrigens denselben Vater", sagt eine völlig fremde Frau zur Ich-Erzählerin. Und die, eine Schriftstellerin aus der ehemaligen DDR, fällt der neuen Halbschwester erst einmal um den Hals. Doch der glückliche Moment ist flüchtig und wird abgelöst von Schock, Verwirrung und Verunsicherung: Ist etwas, das man verheimlicht, auch eine Lüge? Kann sie noch vertrauen auf das, was ihre Eltern ihr vorgelebt haben? Und hat sie der fremden Frau ihren Vater weggenommen? Die Ich-Erzählerin sucht nach Antworten, nach Klarheit und einem Weg, mit dem "Vorkommnis" fertig zu werden.

Warum sich das Lesen lohnt: 

Sehr eindrücklich schildert Julia Schoch, wie die Nachricht über ein bislang unbekanntes Familienmitglied eine ganze Welt auf den Kopf stellen kann. Sie hinterfragt, welche Vorstellungen wir von Familie, Verwandtschaft und Herkunft haben. Dabei spielt sie in gewohnter Manier mit Realität und Fiktion und nimmt uns mit in die Tiefen der menschlichen Seele.

In Kürze

#Familiengeheimnis – #Autofiktionales Erzählen – #Aufwachsen in der DDR – #Lebenslüge

4 Monika Helfer, "Löwenherz": der unbekannte Bruder

Buchcover Monika Helfer "Löwenherz"
Monika Helfer "Löwenherz", Hanser, 192 Seiten, 20 Euro. Bild: Hanser Verlag | Collage Sabina Weinrich

Mit 30 Jahren nimmt sich Monika Helfers Bruder Richard das Leben. Was davor geschah, wie er auf seine schlaksige Art durchs Leben stolperte und schließlich ganz den Halt verlor– das erzählt die Autorin in erster Linie sich selbst. Denn sie kannte ihn eigentlich kaum. Sie stellt ihn uns vor als einen Träumer, der den Himmel in den Augen hat. Ein Faulpelz, der selbst im Liegen noch ans Liegen denkt. Und ein Geschichtenerfinder – ein Münchhausen, dem man gar nichts glauben kann. Als er unverhofft zu einem Hund und kurz darauf zu einem Kind kommt, ist er vielleicht zum ersten Mal glücklich. Bis ihm dieses Glück genommen wird.

Warum sich das Lesen lohnt

Monika Helfer lässt Brüche und Lücken zu, fragt sich: War es wirklich so? Oder habe ich das jetzt erfunden? Gerade die unglaublichsten Anekdoten sollen wirklich passiert sein. So entsteht ein Bild von Richard, das an den Rändern immer ein bisschen unscharf bleibt. Mal wird dieser außergewöhnliche Mensch ganz lebendig, wir hören und sehen ihn aus der Nähe – mal wirkt er weit weg und wie in Nebel eingehüllt. Es ist das dritte Mal, dass Monika Helfer über ein Familienmitglied schreibt, und dieses Buch macht Hunger auf mehr.

In Kürze

#Geschwisterliebe, #Rätsel, #Außenseiter, #Autofiktionales Erzählen

5 Kim Hye-jin, "Die Tochter": wie man gesellschaftliche Schranken einreißen kann

Buchcover Kim Hye-jin "Die Tochter"
Kim Hye-jin, "Die Tochter", Hanser Verlag, 171 Seiten, 20 Euro. Bild: Hanser | Collage Sabina Weinrich

Es ist ein Aufprall, bei dem Einiges zu Bruch geht: Als Green und ihrer langjährigen Freundin Rain das Geld ausgeht, müssen sie bei Greens Mutter einziehen. Dass Green mit Mitte 30 noch immer keinen Mann heiraten und Kinder bekommen will, ist für die Mutter eine unsägliche Enttäuschung. Sie schämt sich für ihre Tochter, sie will nichts davon wissen, wie die beiden Frauen zusammenleben, und vor allem will sie nicht, dass irgendjemand anders davon erfährt. Ein Leben außerhalb der strengen Konventionen, in denen sie selbst aufgewachsen ist, ist für sie unvorstellbar – bis auch sie selbst erlebt, wie es ist, einem unfairen System ausgeliefert zu sein. 

Warum sich das Lesen lohnt

Ein Roman, der gesellschaftliche Schranken einreißt, prallvoll mit großen Konflikten und Emotionen, erzählt aus Sicht der Mutter, die unbequeme Gedanken und Gefühle gerne wegdrückt. Der Ton bleibt daher durchweg verhalten und trocken. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber wer sich darauf einlässt, erlebt eine große Geschichte über gesellschaftlichen Wandel durch Solidarität unter Frauen: über Generationen hinweg und allen Unterschieden zum Trotz. 

In Kürze

#Südkorea, #gesellschaftlicher Druck, #Homophobie, #Frauensolidarität

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 18. Februar 2022, 10:10 Uhr