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Der Morgen mit Tom Grote

Im Porträt Philosoph Björn Vedder plädiert für die Vielfalt von Körperbildern

Autor/Autorin

  • Maria Hecht
Björn Vedder
Rudergerät und Sprungkiste durften bei Björn Vedder in den letzten zwei Jahren nicht fehlen. Bild: Buchcontact | Roland Fischer

Als die Corona-Pandemie ihn vor zwei Jahren ins Haus verbannte, wurde Björn Vedder vom Sportfieber gepackt. Immer muskulöser sollte sein Körper werden. Warum das so war, darüber hat der Philosoph in seinem Buch "Solidarische Körper" nachgedacht.

Björn Vedder
Björn Vedder

Gesprächszeit "Ich bin angefixt worden durch Körperbilder auf Instagram" – Björn Vedder

Björn Vedder wurde vom Sportfieber gepackt. Warum er immer muskulöser werden wollte, darüber hat der Philosoph in seinem Buch "Solidarische Körper" nachgedacht.

Bild: Buchcontact | Martin Weiand

Für viele Menschen hat sich das Leben und der Alltag mit der Corona-Pandemie seit 2020 stark verändert. Das Virus hat uns vor Augen geführt, wie anfällig und verletzlich unser Körper und unsere Gesundheit sein kann. Viele Menschen wurden durch den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 aber auch von einem regelrechten Sportwahn gepackt. Das ging auch Björn Vedder so, der die Fitnesslust und unsere Körperbilder philosophisch erforscht hat. "Der Hardbody ist der Körper, den wir aus den Medien kennen. Er ist mager und durch Gewichte und Kraftsport ausgebildet und ist Symbol neoliberaler und auch neokonservativer Ideologien."

Warum wollen wir trainiert aussehen?

Als Literaturwissenschaftler und Philosoph setzt Björn Vedder sich mit Themen auseinander, die ihn auch selbst betreffen: digitale Freundschaften zum Beispiel oder die Frage, was es bedeutet, ein guter Vater zu sein. Vedder, Jahrgang 1976, hat drei Kinder und lebt in der Nähe von München. Hier liest und schreibt er viel – aber im Frühjahr 2020 ändert sich etwas: Er beginnt, sein Arbeitszimmer immer mehr zum Home-Gym umzubauen. Das Training mit Rudergerät, Sprungkiste und Rennrad bekommt immer mehr Raum. Und Vedder fragt sich, warum es ihn so anfixt, möglichst trainiert und muskulös auszusehen. Er denkt darüber nach, woher der Sporttrend und die Idee des Ideal-Körpers kommt, den er, genau wie Millionen Menschen, in den Sozialen Medien als erstrebenswert präsentiert bekommt.

Der Preis für diesen Instagram-Hardbody ist mir zu hoch.

Björn Vedder auf die Frage, warum er sein Bild vom Hardbody aufgegeben hat
Björn Vedder
Björn Vedder Bild: Buchcontact | Martin Weiand

Über diesen so genannten "Hardbody" hat er ein Buch geschrieben: "Solidarische Körper. Die Aufweichung des Hardbodys in der flüssigen Moderne". Den Ursprung der Muskelmänner und -frauen findet Vedder im 18. Jahrhundert in den antiken Statuen, die auch von Schriftstellern und Philosophen wie Johann Wolfgang von Goethe und Johann Gottfried Herder idealisiert wurden. "Dieser klassisch schöne, ideale Körper war überhaupt nicht dafür gedacht, ein echter Körper zu sein", so Vedder.

Aber aus diesen Marmorfiguren wurde dann spätestens in den 1980er-Jahren allmählich ein Körperbild, dem immer mehr Menschen nacheiferten. Auch Vedder ist dem Bild verfallen, trainiert fast jeden Tag, liebt aber auch gutes Essen und Trinken, weshalb er wohl nie einen Hardbody bekommen wird: "Der Preis für diesen Instagram-Hardbody ist mir zu hoch. Denn Fitnessmodels sagen solche Sachen wie 'Ich habe mich von der Idee verabschiedet, dass Essen gut schmeckt'."

Moderne Probleme erfordern neues Denken

Wer es ernst meint mit dem Hardbody, spiegele eine innere Haltung, eine Gesellschaft wider, die mehr auf Eigennutz und Egoismus ausgelegt ist, so Vedder. Die tauge aber wenig, um kommende Herausforderungen wie den Klimawandel zu bewältigen: "Die Probleme der Zukunft bekommen wir mit diesem alten Denken nicht gelöst."

Zu den wesentlichen Errungenschaften unserer Gesellschaft gehört, dass wir es jedem Menschen ermöglichen, sich gut zu finden.

Björn Vedder über gesellschaftliche Fortschritte im Denken

Zu einer neuen und anderen Gesellschaft gehören also auch neue Körper. Es gehe nicht darum, überhaupt nicht mehr zu trainieren, meint Vedder, sondern eher darum, was wir mit unserem Körper in der Gesellschaft und in der Umwelt tun wollen. Ein neues Körperideal sei dafür hinderlich, meint der Philosoph. Stattdessen dürfen und müssen alle Körper sichtbar sein, ganz gleich, wie sie aussehen und was sie können: "Ich glaube, dass es zu den wesentlichen Errungenschaften unserer Gesellschaft gehört, dass wir es jedem Menschen ermöglichen, sich gut zu finden."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 29. März 2022, 18:05 Uhr