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Im Porträt Benjamin Pütter kämpft gegen das Elend indischer Kindersklaven

Autorin

Benjamin Pütter
Benjamin Pütter hat mit vielen Kinder gesprochen, die bei ihrer Arbeit ausgebeutet wurden. Er befürchtet, dass die Lage wegen der Corona-Pandemie noch viel schlimmer geworden ist. Bild: privat

Dass die schönen Gartensteine oder der Webteppich nicht aus Kinderarbeit stammen sollen, darüber besteht oft Konsens. Doch Benjamin Pütter weiß, dass die Realität auch heute noch oft anders aussieht. Seit Jahrzehnten reist er immer wieder nach Indien, schleust sich in staubige Steinbrüche und dunkle Hütten ein und dokumentiert, wie Kinder ausgebeutet werden. Und er war selbst schon bei der Befreiung von 60 Kindersklaven dabei.

Gesprächszeit "Bei einer Befreiungsaktion müssen wir die Kinder sehr schnell mitnehmen" – Benjamin Pütter

Benjamin Pütter reist seit Jahrzehnten nach Indien, schleust sich in staubige Steinbrüche und dunkle Hütten ein und dokumentiert, wie Kinder ausgebeutet werden.

Benjamin Pütter
Bild: privat
Bild: privat

Von Äußerlichkeiten sollte man sich nicht in die Irre leiten lassen: Benjamin Pütter kommt recht harmlos daher, ein studierter Theologe in reifem Alter mit Brille und einem netten Lächeln. Doch tatsächlich ist einer der führenden Experten in Deutschland, der sich gegen ausbeuterische Kinderarbeit einsetzt. Gegen ihn wurden schon zwei Mordanschläge verübt, Gerichtsprozesse werden gegen ihn angestrengt, und einmal musste er im Kofferaum aus der deutschen Botschaft in Indien herausgeschmuggelt werden.

Recherche in Steinbrüchen und dunklen Hütten

Denn Benjamin Pütter arbeitet nicht gemütlich am Schreibtisch – er fährt schon seit Jahrzehnten immer wieder nach Indien, recherchiert dort undercover in staubigen, höllenlauten Steinbrüchen, krabbelt in dunkle Hütten und lässt sich von Kindern an Webstühlen, vor Bunsenbrennern, bei der Produktion von Feuerwerkskörpern und Räucherstäbchen, die Geschichten ihrer Ausbeutung erzählen. "Eine Person, die unter 15 Jahre alt ist und nicht zur Schule gehen darf, weil sie arbeiten muss, ist ein Kinderarbeiter-Kind", sagt er.

Bei einer Befreiungsaktion müssen wir die Kinder sehr schnell mitnehmen, bevor es losgeht mit Waffengewalt.

Benjamin Pütter über die Rettung von Kindersklaven

Benjamin Pütter dokumentiert das Elend der Kinder, er fotografiert und sammelt Beweise. Und er geht noch einen Schritt weiter: Er selbst war bei der Rettung von etwa 60 Kindersklaven beteiligt. Minutiös geplante Aktionen, bei denen auch der "Videshi", ein verächtliches Hindi-Wort für "Ausländer", sein Leben riskiert: "Bei so einer Befreiungsaktion müssen wir die Kinder sehr schnell mitnehmen, denn sobald die Mafia der Fabrik-Besitzer davon mitbekommt, geht es dann los mit Waffengewalt."

Jetzt haben die Vereinten Nationen das "Jahr zur Beseitigung der Kinderarbeit bis 2025" ausgerufen. Pütter hofft, dass dadurch das Thema auch in Deutschland wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Denn die Aufmerksamkeit, ob die Schokolade, der Tee, der Teppich im Wohnzimmer oder die schönen Steine im Garten tatsächlich ohne Kinderarbeit hergestellt worden sind, hat hierzulande nachgelassen. "Es gibt eine Internet-Seite der Verbraucher-Initiativen in Deutschland, die verlässliche Siegel für verschiedene Produkte auflistet: label-online.de", erinnert Pütter.

Warten auf die Impfung, damit er seinen Kampf fortsetzen kann

Benjamin Pütter
Kinder sollen lernen und nicht arbeiten müssen: Dafür kämpft Benjamin Pütter. Bild: privat

Momentan hat er aber große Sorgen, dass die Kinderarbeit noch aus einem anderen Grund weiter ansteigen wird: Die Corona-Pandemie hat die Armut in Indien verschlimmert. In vielen Familien müssen die Kinder jetzt helfen, Geld zum Überleben zu verdienen. Diese Situation könnte sich in vielen Familien verfestigen, so dass die Kinder auch nach der Corona-Zeit nicht wieder in die Schule gehen werden, befürchtet der Experte: "Es ärgert mich, wenn meine Freunde in Indien nur Geld von unseren Hilfswerken möchten. Es gibt auch dort tolle Politikerinnen und Politiker. Von denen müssen sie Veränderungen bei diesem Thema einfordern." Die Corona-Pandemie hat Benjamin Pütter derzeit ausgebremst – doch hoffentlich nicht mehr lange. Er wartet auf seine Impfung und darauf, dass Indien wieder Einreisen zulässt. Dann wird er weiter machen – gegen Kinderarbeit mit jeder Menge Mut.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 15. März 2021, 18:05 Uhr