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Der Samstagvormittag mit Marion Cotta

Im Porträt Diese Bremerin gibt Kindern einen Ort zum Trauern

Autorin

eine Frau steht in einem Garten und lacht in die Kamera
Bild: Radio Bremen | Claudia Scholz

In unserer Reihe "Lieblingsmenschen" stellen wir Ihnen Menschen vor, die sich besonders engagieren oder mit ihrer Art ihr Umfeld verzaubern. Ein solcher Lieblingsmensch ist Beate Alefeld-Gerges. Sie hat "Trauerland" gegründet, einen Verein, der trauernde Kinder in Bremen und Verden begleitet. Axel Kugelstadt hat uns auf sie aufmerksam gemacht und Bremen-Zwei-Reporterin Claudia Scholz hat sie besucht.

Beate Alefeld-Gerges hilft trauernden Kindern bei "Trauerland"

In unserer Reihe "Lieblingsmenschen" stellen wir Ihnen ganz besondere Menschen vor – wie Beate Alefeld-Gerges. Sie hat "Trauerland" gegründet, einen Verein, der trauernde Kinder in Bremen und Verden begleitet.

eine Frau steht in einem Garten und lacht in die Kamera
Bild: Radio Bremen | Claudia Scholz
Bild: Radio Bremen | Claudia Scholz

Kunterbunt wie ein Regenbogen sind die Buchstaben, mit denen das Wort "Trauerland" auf dem großen Plakat vor dem Haus in Bremen-Horn geschrieben ist. Und das ergibt Sinn: Denn obwohl es hier tagtäglich um Trauer geht, ist gleichzeitig auch die Freude zuhause. Denn Kinder haben Trauer und Freude noch nebeneinander stehen, sagt Beate Alefeld-Gerges, Gründerin des Vereins "Trauerland".

Über 20 Jahre Arbeit für "Trauerland"

Dass Kinder oft keinen Raum für ihre Trauer haben, stört Beate Alefeld-Gerges schon lange: Ende der 1990er Jahre arbeitete sie als Sozialpädagogin in einem Kinderheim. Eine Freundin erzählte ihr vom Dougy Center, einem Zentrum für trauernde Kinder und Familien, im amerikanischen Portland. 1999 reiste Alefeld-Gerges für ein Praktikum nach Portland. Sie blieb ein halbes Jahr und lernte die Arbeit mit den Kindern kennen und lieben. Zurück in Bremen, gründete sie im Herbst 1999 den Verein "Trauerland".

Wir glauben, dass die Kinder wissen, was sie gerade tun wollen, und das können sie hier tun. Dafür geben wir ihnen Raum und Zeit.

Beate Alefeld-Gerges über die Arbeit bei Trauerland

Ihre Idee: Die Kinder bestimmen selbst, was ihnen gut tut, sie sind die Experten für ihre Trauer. Die einen wollen im Toberaum ihre Wut herauslassen, die anderen wollen in Farbtöpfen herumpatschen, weil sie das Geräusch an die Wattwanderung mit dem Papa erinnert, und wieder anderen tut es einfach gut, mit anderen zusammenzusitzen, die verstehen, wie es ihnen geht.

Viele Kinder können Trauer nicht ausleben

In den Familien können Kinder ihre Trauer häufig nicht ausleben. Denn wenn Mutter oder Vater sterben, trauern nicht nur die Kinder, sondern auch der hinterbliebene Partner oder die Partnerin. "Wenn die ganze Familie in Trauer ist und die Erwachsenen auch, dann sind die auch sehr mit sich beschäftigt, was ja auch völlig verständlich ist," sagt Alefeld-Gerges. "Kinder merken das natürlich, und dann funktionieren sie." Viele ziehen sich zurück und tun so, als ob alles in Ordnung sei, um niemanden zu belasten.

Wir haben Kinder, die ihre Elternteile, die noch leben, gar nicht mehr aus den Augen lassen wollen, weil sie einfach so große Angst haben, dass sie jetzt auch noch gehen.

Beate Alefeld-Gerges über Familien in Trauer

Beate Alefed-Gerges vergleicht Familien in Trauer mit einem Mobilé, das ins Ungleichgewicht geraten ist. "Für Kinder ist es so: Der Alltag hat sich komplett verändert, Struktur gibt ja auch Sicherheit. Und dann werden sie unsicher .... Wir haben Kinder, die ihre Elternteile, die noch leben, gar nicht mehr aus den Augen lassen wollen, weil sie einfach so große Angst haben, dass sie jetzt auch noch gehen. Kinder haben ja eigentlich das Gefühl, alles ist gut und alles bleibt auch gut. Und wenn sie erleben, dass das nicht so ist, dann ist das Urvertrauen auch so ein bisschen erschüttert. Das muss man dann auch wieder aufbauen, das ist ganz wichtig."

Sie ist ein positiver Menschenfänger. Sie findet immer Leute, die weiterhelfen.

Axel Kugelstadt über Beate Alefeld-Gerges

Dabei helfen die 62-Jährige und ihr Team, so lange, wie Hilfe gebraucht wird. Manchmal sind es Monate, manchmal kommen die Kinder und Jugendlichen viele Jahre lang ins Trauerland. Dieses Engagement hat Axel Kugelstadt von Anfang an beeindruckt. Beate Alefeld-Gerges sei einfach ein Lieblingsmensch, sagt er. "Es ist bewundernswert, wie sie diese Aufgabe angeht, überhaupt, diese Idee gehabt zu haben. Sie ist ein positiver Menschenfänger. Sie findet immer Leute, die weiterhelfen oder behilflich sind bei der Aufgabe, die sie sich vorgenommen hat."

Schwierige Arbeit in Pandemie-Zeiten

Einer dieser Menschen ist Axel Kugelstadt selbst. Er engagiert sich im Vorstand von Trauerland – eine Arbeit, die in Zeiten von Corona nicht einfacher geworden ist. Denn der Verein finanziert sich ausschließlich aus Spenden. In der Pandemie konnte Trauerland weniger als sonst auf seine Arbeit aufmerksam machen, gleichzeitig stiegen die Anfragen. Das Team kämpft um Unterstützung, um weiter helfen zu können. Diese Arbeit gebe ihr viel, sagt Beate Alefeld-Gerges, nämlich, "dass ich eine sinnvolle Arbeit mache und merke, dass ich etwas ändern kann."

Mehr Lieblingsmenschen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. September 2021, 14:50 Uhr.