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Die Nacht

Im Porträt Azad Kour bringt die kurdische Küche nach Bremen

Autorin

Azad Kour
Azad Kour hat letztes Jahr sein Kochbuch "Salz und Sehnsucht" veröffentlicht. Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld

Von Hummus bis Taboulé: Letztes Jahr hat Azad Kour sein erstes Kochbuch veröffentlicht. In "Salz und Sehnsucht. Kurdische Gerichte und Geschichten aus Nordsyrien" sammelte der Bremer nicht nur Rezepte, sondern auch persönliche Geschichten. Er will zeigen, wie der Alltag in seiner alten Heimat Nordsyrien aussieht – abseits von Krieg und Flucht.

Gesprächszeit Azad Kour erzählt, wie Salz Menschen zusammenbringt

Seit fünf Jahren lebt Azad Kour in Bremen. In seinem Kochbuch "Salz und Sehnsucht" hat er Rezepte und Geschichten aus seiner alten Heimat Syrien gesammelt.

Azad Kour
Azad Kour Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld
Bild: Radio Bremen | Kristin Hunfeld

Der 21-Jährige erinnert sich gern an seine Heimat zurück. Auch wenn Religion in seiner Familie nur selten eine Rolle spielte, gab es trotzdem einige Traditionen und Feste, wie den Fastenmonat Ramadan, die sie feierten. Dabei gehe es nicht nur um Verzicht, wie Kour erzählt: "Da steckt viel mehr dahinter. Es ist irgendwie auch Gemeinsamkeit, weil die Familie dann zusammen isst, also das Abendessen. Und früh morgens – eigentlich fast in der Nacht – weckt man alle auf und die Familie frühstückt. Man gibt etwas an die Nachbarn, oder die Menschen spenden an Ramadan sehr viele Sachen." Darauf folgt das Zuckerfest, an dem die ganze Familie noch einmal zusammenkommt. Die Wertschätzung dafür, wie das Essen Menschen zusammenbringt, erklärt Kour so: "Bei uns gibt es so einen Spruch, der heißt: 'Lass das zwischen uns Salz und Brot werden'. Wenn man etwas isst, steht das für Menschen miteinander." Daher stammt der Titel seines Buches.

Bei uns gibt es so einen Spruch, der heißt: 'Lass das zwischen uns Salz und Brot werden'. Wenn man etwas isst, steht das für Menschen miteinander.

Azad Kour über den Titel seines Buches

Auf dem Schulhof musste Arabisch gesprochen werden

Azad Kour wurde 2000 geboren und ist in Sheran aufgewachsen, einem Dorf nahe der Stadt Kobani im kurdischen Gebiet von Nordsyrien. Seine Muttersprache, Kurdisch, durfte er dort jedoch kaum sprechen – höchstens auf dem Dorf oder mit Freunden, wenn sie von der Polizei nicht gesehen wurden. In der Schule wurde Arabisch gesprochen, und sogar auf dem Schulhof gab es wenig Freiheit, sich in der Muttersprache zu unterhalten, erzählt er: "Manchmal gab es Lehrer, die uns gehört haben und die haben gesagt: 'Sprich mal auf Arabisch!' Wir durften das nicht." Und das nicht erst seit dem Beginn des Krieges: "Das ist seit 40, 50 Jahren so. Und da werden die Kurden halt sehr viel unterdrückt."

Ich sehe, wie meine Träume und Ziele – oder, mein Leben – vor meinen Augen zerstört wird.

Azad Kour über die Zeit im Flüchtlingslager in der Türkei

Als der Krieg in Syrien ausbricht, fliehen Azad Kour und seine Familie in die Türkei. Ein Jahr später stand für ihn fest, dass er nicht in dem dortigen Flüchtlingslager bleiben wollte: "Ich habe keine Chance, gar keine Möglichkeit, was zu machen. Und in diesem Lager verpasse ich mein ganzes Leben quasi. Ich sehe, wie meine Träume und Ziele – oder, mein Leben – vor meinen Augen quasi zerstört wird." Er beschloss, die riskante Fahrt über das Mittelmeer nach Griechenland anzutreten und von dort aus weiter nach Deutschland zu gehen. Als er in München ankommt, kauft er sich ein Zugticket nach Bremen. "Ich habe schon mal gehört, dass irgendwie im Norden die Menschen netter sind und hier die Politik auch ein bisschen offener ist", erklärt er.

Ein neues Zuhause in Bremen

Nach mehreren Umzügen kam er schließlich im Zollhaus unter, wo er mit etwa 60 anderen jungen Leuten wohnte – seit Langem das erste Mal mit eigenem Bett, mit Internet und Badezimmer. Durch ein soziales Kochprojekt im Zollhaus merkte er, dass er eigentlich ganz gut kochen kann.

Ich dachte, wir machen so ein Projekt mit zwei, drei Auftritten und dann ist es vorbei.

Azad Kour über die "Zollhausboys"

Im Zollhaus gründete sich die Gruppe "Zollhausboys", mit der Kour gemeinsam Musik macht und Themen wie Integration, persönliche Geschichten oder das Überwinden von Angst verarbeitet. Dass sich dieses musikalische Projekt lange hält, hätte Azad Kour allerdings nicht gedacht: "Ich dachte, wir machen so ein Projekt mit zwei, drei Auftritten und dann ist es vorbei. Aber weil das so gut ankam, waren nach unserer Premiere unsere nächsten zehn Auftritte alle ausverkauft."

Mittlerweile wohnt Azad Kour nicht mehr im Zollhaus, sondern in einer eigenen Wohnung. Als nächstes steht für ihn das Abitur an, danach will er studieren. Zu seinen Eltern und Brüdern, die mittlerweile wieder in Kobani leben, hat er engen Kontakt – und auf Azad, den ältesten Sohn, der mit seinem Kochbuch "Salz und Sehnsucht" schon im kurdischen Fernsehen aufgetreten ist, ist die Familie sehr stolz.

buten un binnen | regionalmagazin Hummus, Soglime, Taboule: Syrisches Rezept auf Bremer Teller

Vor fünf Jahren kam Azad Kour aus Syrien nach Bremen. Für sein Buch "Salz und Sehnsucht" sammelte er rezepte und Geschichten aus seiner alten Heimat.

Video vom 16. Januar 2021
Es sind drei Teller mit arabischen Gerichten zu sehen. Ein Teller mit einem arabischen Petersiliensalat, ein Teller mit Hummus und ein Teller mit einer Auberginenpaste.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 08. April 2021, 18:05 Uhr