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Der Sonntagmorgen mit Katrin Krämer

So wichtig sind Privatgärten für die Insekten-Vielfalt

Autorin

Eine Biene an einer Weidenblüte
Bienen mögen Weidenblüten gerne. Bild: Imago | Reiner Bernhardt

Es gibt immer weniger Insekten. Darunter leidet die Biodiversität – und letztlich unser Ökosystem. Doch Sie müssen dem Instektensterben nicht tatenlos zuschauen.

Ökologische Vielfalt: Wie viel Zwang verträgt der Umweltschutz?

Es gibt immer weniger Insekten. Sie finden zu wenig Nahrung, auch in den Gärten. Was kann man tun? Und wie sinnvoll ist es, den Menschen vorzuschreiben, was sie im Garten pflanzen dürfen?

Lila blühende Blumen mit Bienen in einem Garten
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Das größte Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier ist in vollem Gange – nur passiert das fast unbemerkt, weil die Tiere, um die es sich handelt, extrem klein sind: Seit 1989 ist die Insektenvielfalt um drei Viertel zurückgegangen.

Schuld sind laut Forscherinnen und Forschern Monokulturen auf den Feldern, Pestizide und zugebaute Flächen. "Die Biodiversitätskrise ist dramatisch, sie ist enorm schnell, sie ist enorm drastisch", erklärt die Ökologin Ulrike Aufderheide. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren im Verein "Naturgarten" damit, wie Menschen in ihrem heimischen Garten etwas gegen die Krise tun können. Der Verein ist bundesweit im Einsatz. Sie sagt: "Es ist eine Transformation unserer Gesellschaft notwendig, um die Klima- und die Diversitätskrise bewältigen zu können. Ob die Menschheit das schaffen kann, ist eine große Frage."

Man sollte den Privatgarten nicht unterschätzen.

Alexandra Dehnhardt, Soziologin

Privatgärten machen gerade einmal zwei Prozent der gesamten Bundesrepublik aus. Wie viel Einfluss auf die Biodiversität Privatleute im Gegensatz zur Landwirtschaft haben können, wird aktuell in einer Studie des Bundesforschungsministeriums untersucht: "Gartenreich" heißt das Projekt, das die Soziologin Alexandra Dehnhardt leitet. "Man sollte den Privatgarten nicht unterschätzen", sagt sie. "An unterschiedlichen Orten habe ich diese kleinen Gärten, die alleine durch ihre Heterogenität schon eine gewisse Strukturvielfalt aufweisen."

Die Blühwiese am Rembertikreisel in Bremen
In dieser scheinbar wilden Blühwiese am Rembertikreisel steckt viel Arbeit: Die Erde muss aufgegraben, ein Magerboden aufgeschüttet werden, damit die Pflanzen gedeihen. Bild: Radio Bremen | Lisa-Maria Röhling

Gärten mit vielen unterschiedlichen, einheimischen Pflanzen können damit zu sogenannten Trittsteinen werden, also zu kleinen Oasen im urbanen Raum, in denen Insekten Nahrung und Nistplätze finden. Die werden aber immer seltener, sagt Dehnhardt: In Gärten gebe es immer mehr Rasen- oder sogar versiegelte Flächen, auch die Pflanzenvielfalt nehme ab.

Hilfe durch Blühwiesen

Um trotzdem Lebensräume für Insekten zu schaffen, setzen immer mehr Gemeinden in Bremen und Niedersachsen auf Blühwiesen oder Bepflanzungsprojekte. In Bremen wächst seit acht Jahren am Rembertikreisel eine solche Wiese. Betreut wird sie vom BUND. Bisher hat sich die Blühwiese am Rembertikreisel bewährt: 26 Wildbienenarten leben laut einer Untersuchung des BUND dort, zehn davon sind sogar gefährdete Arten.

Wenn ich dem Ökosystem keine Pflanzen gebe, die auch andere Tiere richtig reichlich ernähren, dann entziehe ich ihm Einiges.

Sönke Hofmann, Naturschutzbund Bremen

Wenn das Insektensterben weitergehe, habe das fatale Folgen für das Ökosystem, sagt Sönke Hofmann vom Naturschutzbund Nabu in Bremen: "Wenn ich dem Ökosystem keine Pflanzen gebe, die auch andere Tiere richtig reichlich ernähren, dann entziehe ich ihm Einiges. Dann fange ich an, ganz unten die Axt anzusetzen." Er findet, die Bremer Politik tue zu wenig gegen das Artensterben.

Insektenschutz im Koalitionsvertrag

Das zuständige Umweltressort weist diese Vorwürfe zurück: Die Zahl der Blühwiesen steige, außerdem seien 25 Prozent der zu mähenden Flächen als Wiesen ausgewiesen. Das heißt: Sie werden seltener gemäht und das Schnittgut wird danach einige Tage liegen gelassen. So können Insekten sich besser dort entfalten.

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Der Bremer Senat hat sich auch in seinem Koalitionsvertrag dem Insektenschutz verschrieben. Viele Blühwiesen werden staatlich gefördert, außerdem soll es künftig mehr Gründächer geben. Private Gärten ganz ohne Grün soll es eigentlich nicht geben, pflanzenfreie Schottergärten zum Beispiel. Ein echtes Verbot von Schottergärten gibt es in Bremen aber nicht.

Das Land Niedersachsen hat 2020 ein ganzes Aktionsprogramm Insektenschutz ins Leben gerufen. Auch dort sind die Ziele ähnlich: mehr Lebensräume für Insekten auf Brachflächen oder an Gebäuden schaffen.

Verbote nicht geplant

Wenn die Lage so dramatisch ist, müsste es dann nicht mehr Regeln oder gar Verbote für die heimischen Gärten geben? Das bezweifeln die Wissenschaftlerinnen Dehnhardt und Aufderheide. "Der Garten ist sehr nah an der Seele der Menschen. Es macht wenig Sinn, und es wird von den Menschen als sehr übergriffig empfunden, wenn sie Vorschriften bekommen bezüglich ihres Gartens."

Der Garten ist sehr nah an der Seele der Menschen. Es wird von den Menschen als sehr übergriffig empfunden, wenn sie Vorschriften bekommen bezüglich ihres Gartens.

Ulrike Aufderheide, Ökologin

Auch Hartwig Schepker ist gegen mehr Vorschriften: "Sie schränken eher diejenigen ein, die gewillt sind, etwas beizutragen, verunsichern sie oder verfrachten sie in eine komplette Gegenposition." Und auch Sönke Hofmann sagt: Wer mehr für Insekten tun wolle, sollte zwar auf heimische Pflanzen setzen. Aber deshalb müsse noch längst nicht jeder den Rhododendron im eigenen Garten ausreißen.

Die Lösung für Naturschützer, Parkbetreiber und Wissenschaftlerinnen: mehr Informationen. Informierte Gartenbesitzerinnen und -besitzer seien der Schlüssel für besseren Insektenschutz. Denn was für öffentliche Flächen gilt, kann auch im heimischen Garten funktionieren.

Insektenschutz werde auch für viele Hobbygärtner wichtiger, sagt Reinhard Schrader, der Chef des Verbandes für Garten-, Landschaft und Sportplatzbau im Gebiet Nordwest. Immer mehr Menschen suchten nach Informationen, um ihren Garten insektenfreundlicher zu gestalten – und so zumindest einen kleinen Beitrag zu leisten.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 14. Juli 2021, 8:20 Uhr