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Der Vormittag mit Hendrik Plaß

Im Porträt Vom Schwarzen Meer über Ostberlin nach Bremen: Antonia Bontscheva

Autorinnen

Antonia Bontscheva
Die Bremerin Antonia Bontscheva hat im Sommer 2021 ihren Debüt-Roman veröffentlicht. Bild: Radio Bremen | Ziphora Robina

Eine junge Frau verlässt ihre Heimat, geht ins Ausland und erlebt das Wechselbad der Gefühle des Erwachsenwerdens. Antonia Bontscheva erzählt in ihrem Debüt-Roman "Die Schönheit von Baltschik ist keine heitere" von einer zerrissenen Frau – und einer Geschichte, die auch ihre eigene sein könnte.

Antonia Bontscheva
Antonia Bontscheva

Gesprächszeit "Mein deutsches Ich hat dieses Buch geschrieben" – Antonia Bontscheva

Eine junge Frau geht ins Ausland und wird erwachsen. Antonia Bontscheva erzählt in ihrem Debüt-Roman eine Geschichte, die auch ihre eigene sein könnte.

Bild: Radio Bremen | Ziphora Robina

Baltschik ist eine kleine Hafenstadt in Antonia Bontschevas Heimat Bulgarien und liegt in einer kleinen Bucht am Schwarzen Meer, umgeben von weißen Kalksteinen. "Das hat so was Schützendes und Geborgenes. Man geht nicht verloren in der Weite", erinnert sich Antonia Bontscheva an den Ort ihrer Kindheit, den sie auch heute noch regelmäßig besucht: "Baltschik ist der Zugang zu meiner Heimat".

Via Ost-Berlin nach Bremen

"Die Schönheit von Baltschik ist keine heitere" – so hat die gebürtige Bulgarin und Wahl-Bremerin ihren Debüt-Roman über das weibliche Erwachsen-Werden genannt. Die Protagonistin von Bontschevas Buch ist eine junge Frau, die in diesem Ort geboren ist, doch die Geschichte führt sie weiter nach Ost-Berlin und schließlich nach Bremen. Es ist ein Roman mit autobiografischen Zügen und in der Hauptfigur stecke viel von ihr selbst, sagt Antonia Bontscheva: "Nicht die Fakten, aber die Gefühle und die Konflikte und die Schwierigkeiten, die sie hat, erwachsen zu werden – da steckt viel von mir drin."

Der Westen war die Demokratie, der Westen war die Professionalität.

Antonia Bontschevas über die Anziehungskraft von West-Deutschland nach 1989

In Baltschik leben heute noch ihre Mutter und ihr Bruder. Antonia Bontscheva kam mit Anfang 20 nach Deutschland, obwohl sie nie vorhatte, Bulgarien dauerhaft zu verlassen. "Auch mein Germanistik-Studium war gewissermaßen ein Zufall", schmunzelt sie. Weil ihre Deutsch-Noten so gut waren, fing sie an – "so ein bisschen naserümpfend" – Germanistik statt Psychologie zu studieren. Sie lernte ihren zukünftigen Mann kennen, folgte ihm in die ehemalige DDR, und dann fiel die Mauer: "Die Möglichkeit, in den Westen zu kommen, hat mich schon sehr angezogen, weil ich mir darunter etwas vorgestellt habe, was in den Werten meiner bulgarischen Familie sehr hoch angesehen war. Der Westen war die Demokratie, der Westen war die Professionalität – der Westen war alles andere als der bulgarische Kommunismus."

Von Bremen versprach sie sich mehr Distanz zur Familie ihres Mannes, aber auch zu ihrer eigenen Familie. Außerdem gefiel Antonia Bontscheva, die eine literarische Kolumne für das "Funkhaus Europa" beigesteuert hat, die tief verwurzelte Liberalität in Bremen: "Ich habe mich zu Bremen von Anfang an hingezogen gefühlt. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, was das ist. Ich habe sofort eine innere Verbindung gespürt, eine Sympathie." Auch die Hauptfigur ihres Romans erlebt Ähnliches, doch Antonia Bontscheva betont: "Ich habe nicht meine Geschichte erzählt. Ich habe mich nicht hingesetzt und mein Leben aufgeschrieben."

Mein deutsches Ich hat dieses Buch geschrieben.

Antonia Bontscheva über Identität und ihr Deutsch-Bulgarisch-Sein

Ihren Debüt-Roman hat Antonia Bontscheva, die selbst die Autorin Angelika Schrobsdorff bewundert, fast zehn Jahre mit sich herumgetragen. Er ist innerlich gewachsen, sagt sie. Dass sie ihr Buch nicht ins Bulgarische übersetzen lassen will, überrascht ein wenig, doch die Autorin sagt: "Mein deutsches Ich hat dieses Buch geschrieben. Das, was ich mir in Deutschland dazu gezogen habe an Erwachsenen-Anteilen. Und ich glaube, auf Bulgarisch hätte mir auch die Distanz gefehlt zu meiner Geschichte." Die Protagonistin fühlt sich immer ein wenig zerrissen, und auch ihr Leben sei ein nicht immer ganz einfaches Leben zwischen den Kulturen: "Inzwischen weiß ich gar nicht mehr, wer ich bin und je älter ich werde, desto größer wird die Ratlosigkeit. Ich war immer eine andere. Ich war in Deutschland eine Andere und ich war in Bulgarien eine Andere. Und das Gefühl vertieft sich. Was eine gewisse Beheimatung bedeutet ist, dass ich immer besser damit klarkomme. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass ich irgendwo eine Heimat habe. Ich bin meine Heimat – meine Familie ist meine Heimat. Wenn ich mich gut fühle, habe ich eine Heimat."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 15. Februar 2022, 18:05 Uhr