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Die Nacht

Im Porträt Wie ein Gartentherapeut kranken Menschen zurück ins Leben hilft

Autoren

  • Maria Hecht

Seine Patienten sind schwer erkrankt, sie haben ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, einen Schlaganfall oder einen Hirntumor überlebt. Mit leichter Gartenarbeit hilft Gartentherapeut Andreas Niepel ihnen beim Heilen.

Portrait von Andreas Niepel
Als er seine Ausbildung zum Gärtner gemacht hat, gab es seinen heutigen Beruf noch nicht: Andreas Niepel ist Gartentherapeut. Bild: Andreas Niepel

Gesprächszeit "Nicht alles wird, wie ich es will - das lernen wir im Garten" – Andreas Niepel

Seine Patienten haben ein Schädel-Hirn-Trauma oder einen Schlaganfall überlebt. Mit leichter Gartenarbeit hilft Andreas Niepel ihnen wieder ins Leben.

Portrait von Andreas Niepel
Andreas Niepel Bild: Andreas Niepel
Bild: Andreas Niepel

Dass man mit Natur und Gartenarbeit körperlich und seelisch kranken Menschen helfen kann, das bemerkt Andreas Niepel schon in den achtziger Jahren – in einem Krankenhaus mit großem Garten, seiner Arbeitsstelle. Niepel, 1963 in Ochtrup im Münsterland geboren, lässt sich nach dem Abitur zum Gärtner ausbilden und absolviert dann in besagtem Krankenhaus seinen Zivildienst. Die Patienten genießen den großen Garten der Klinik, gehen spazieren und heilen so auch umgeben von viel Natur.

Gute Therapeuten haben hohes Vertrauen in ihre Patienten und, dass sie wachsen und sich quasi selber regulieren können.

Andreas Niepel über das Ziel, Patienten gut "gedeihen" zu lassen

So etwas wie Gartentherapie müsste es geben, denkt sich Andreas Niepel. Aber Gartentherapie, das gibt es damals in Deutschland weder als Beruf, noch als Ausbildungsrichtung. Obwohl Gärtner und Therapeuten eigentlich dasselbe Ziel haben, nämlich Pflanzen als auch Menschen bestenfalls gut "gedeihen" zu lassen: "Gute Therapeuten haben hohes Vertrauen in ihre Patienten und, dass sie wachsen und sich quasi selber regulieren können. Wir sind verantwortlich dafür, dass sie Bedingungen erleben, in denen das funktioniert."

Der Garten als heilender Ort

Zum Garten fühlt sich Andreas Niepel schon immer hingezogen. Das hat mit seinem Großvater zu tun, der auch gärtnert, um sich mit Obst und Gemüse versorgen zu können. Ihm schaut Andreas Niepel schon als kleiner Junge sehr gern bei der Gartenarbeit zu. Er verbindet mit Garten und Gartenarbeit immer etwas Positives. So geht es vielen Menschen, wie Andreas Niepel in seiner späteren Arbeit als Gartentherapeut herausfindet, wenn er seine Patienten bittet, ihm eine Gartengeschichte zu erzählen: "Es ist wirklich zu 99 Prozent immer eine positive Geschichte, es ist immer eine Kindheitserinnerung und in den Top 3 kommen immer Oma und Opa vor."

Portrait von Andreas Niepel im Profil, lachend
Viele Menschen verbinden positive Erinnerungen mit dem Garten, weiß Andreas Niepel. Bild: Andreas Niepel | Anke Schmitz

Deshalb eignet sich dieser Ort auch so gut für Therapiezwecke: Darüber zu reden und sich an den Garten und die Arbeit mit den Pflanzen zu erinnern, ist heute die Aufgabe von Andreas Niepel. Er ist überzeugt von der Heilkraft des Gartens und machte sich Ende der achtziger Jahre für die Begründung der Gartentherapie in Deutschland stark. Niepel findet einige Mitstreiter unter anderem in Bremen, die den Garten therapeutisch nutzen wollen. Er erfährt auch viel Unterstützung aus der ganzen Welt, wo es schon lange Gartentherapie gibt wie beispielsweise in den USA: "In Deutschland war die Gartentherapie einfach sehr lange Zeit unterbrochen; im Nachgefühl des Nazi-Terrors war es undenkbar, mit erkrankten Menschen und dem Spaten auf den Acker zu gehen. Das sah aus wie 'Arbeit macht frei'."

Menschen finden im Therapiegarten zurück ins Leben

Seit 1992 arbeitet Andreas Niepel als Gartentherapeut, er ist Leiter der Abteilung "Garten/Gartentherapie" an der Vamed Klinik Hattingen in Nordrhein-Westfalen, wo ihm ein 150.000 Quadratmeter großer Therapiegarten zur Verfügung steht. Seine Patienten sind schwer erkrankt, sie haben ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, einen Schlaganfall oder ein Hirntumor überlebt und sollen mit leichter Gartenarbeit wieder ins Leben zurückkehren. Viele schulen so ihre motorischen Fähigkeiten. Oftmals geht es darum, sich überhaupt wieder etwas nach einer schweren Krankheit zuzutrauen – und der Garten ist vielen Menschen vertraut.

Aber für die heilsame Wirkung muss man nicht krank sein. Auf die meisten Menschen hat das Gärtnern eine positive Auswirkung. Das hat laut Niepel etwas mit unserer Herkunft zu tun: "Wir betrachten als Gartentherapeuten den Menschen ja auch als Naturmenschen. Dann kann man sagen: 'Nein, ich bin kein Naturmensch, ich bin ein moderner Mensch' – aber in uns steckt noch sehr viel Urmensch drin."

Das nicht alles so wird, wie ich es will – das lernen wir im Garten.

Andreas Niepel über Erkenntnisse zwischen Dahlie, Löwenzahn und Rosenhecke

Man kann im Garten sogar Krisen und Scheitern trainieren, sagt Andreas Niepel: "Im Garten versuchen wir, die Sachen zu regeln. Letztlich können wir auch Scheitern ertragen, das ist nicht unsere Schuld, und das lernen wir im Garten." 

Aber Gärtnern hält auch eine Menge Glücksmomente bereit und garantierte Erfolgserlebnisse: Es kommt immer darauf an, wie wir selbst bewerten, was wir tun, so Andreas Niepel: "Tomate mühsam angezogen, gegen alle möglichen Schädlinge verteidigt versus Tomate, die eigentlich viel besser aussieht, aber vom Discounter kommt, da gewinnt die Erste immer. Das ist einfach super."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 10. Juni 2021, 18:05 Uhr