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Gesprächszeit mit Christine Gorny

Im Porträt Warum Regisseur Andreas Dresen eine Vorpremiere nervös machte

Autorin

Porträt von Andreas Dresen auf der Berlinale
Auf Kinotour in Deutschland: Andreas Dresen mit "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush". Bild: DPA | abaca | Marechal Aurore

Andreas Dresens neuer Film "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" bekam bei der diesjährigen Berlinale zwei silberne Bären. Er erzählt, wie die Mutter des Bremer Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz um seine Freilassung kämpfte.

Porträt von Andreas Dresen auf der Berlinale

Gesprächszeit "Ich war irgendwie schockverliebt" – Andreas Dresen

Andreas Dresens neuer Film "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" erzählt vom Kampf der Mutter des Bremer Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz um seine Freilassung.

Bild: DPA | abaca | Marechal Aurore

Andreas Dresen, geboren 1963 in Gera, aufgewachsen in Schwerin, gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Filmemachern in Deutschland. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem bei der Berlinale, in Cannes oder im tschechischen Karlovy Vary. Gut gelaunt erscheint er nun im Studio von Bremen Zwei. Er wirkt tiefenentspannt, obwohl er auf Kinotour ist, jeden Tag in einer anderen Stadt, um seinen neuen Film "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" vorzustellen.

Exklusive Vorführung für Familie Kurnaz

In Bremen war Dresen schon im Februar, in der Schauburg, "ganz geheim" noch vor der Berlinale, um Familie Kurnaz den Film zum ersten Mal zu zeigen: "Das war ein ganz aufregender Termin für mich, weil ich mir natürlich nichts Schlimmeres vorstellen konnte, als dass die Menschen, für die wir den Film gemacht haben, deren Geschichte wir erzählen, den Film nicht mögen. Das war aber zum Glück nicht der Fall." Auf der Berlinale wurde der Film mit zwei silbernen Bären ausgezeichnet, für die beste Hauptdarstellerin und das beste Drehbuch. Auch im Ausland ist er schon auf Festivals gelaufen.

Das ist der Moment, auf den man hinfiebert und hinarbeitet.

Andreas Dresen über die Premiere seines neuen Films

Trotz der langen Liste von Filmen und Preisen ist Andreas Dresen jedes Mal wieder aufgeregt, wenn er den Film an das "normale" Publikum übergibt. "Das ist der Moment, auf den man hinfiebert und hinarbeitet. Das ist so ein bisschen, als ob man ein Kind ins richtige Leben entlässt. Irgendwann muss es halt selber laufen. Deswegen ist das so ein fiebriger Moment."

Eine Powerfrau und ein authentischer Anwalt

2008 hat Andreas Dresen angefangen, an dem Stoff zu arbeiten. An die erste Begegnung mit Rabiye Kurnaz, an einem Frühsommerabend in Bremen, erinnert er sich gut. "Das erste, was ich gehört habe, war ihr Lachen. Das ist nicht zu überhören. Und dann kam diese herzliche, überschwängliche Powerfrau. Und ich war irgendwie schockverliebt. Und dachte, 'wow, die beeindruckt mich.' Und dann dazu noch in dieser schrägen Konstellation mit dem ja so völlig anderen Bernhard Docke." Den Bremer Rechtsanwalt Bernhard Docke spielt Alexander Scheer – und er kommt dem Original auf fast gespenstische Weise nahe. Scheer war mehrfach in Bremen, hat den Rechtsanwalt auch zu Gerichtsverhandlungen begleitet, ihn sehr genau beobachtet und seine Sprache und Körperhaltung "nachgebaut", wie Andreas Dresen sagt. "Bernhard hat uns netterweise auch Klamotten zur Verfügung gestellt und die Original-Brille, die er damals getragen hat. Die war für uns so wie ein Talisman."

Was wohl gewesen wäre, wenn Murat nicht Murat geheißen hätte, sondern Gerhard Müller?

Andreas Dresen über seine Erschütterung über den Fall Murat Kurnaz

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde Murat Kurnaz in Pakistan festgenommen. Fast fünf Jahre war er im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba interniert, obwohl die deutsche Regierung ihn hätte zurückholen können. Andreas Dresen hat die damaligen Vorgänge intensiv studiert, auch das Memo der CIA an die deutsche Regierung vom September 2002, das besagte, Murat Kurnaz sei unschuldig, man wolle ihn gerne freilassen. Doch die Regierung um Kanzleramtschef und Geheimdienstkoordinator Frank-Walter Steinmeier verweigerte sich. "Das finde ich unfassbar. Ich hab‘ mich immer gefragt, was wohl gewesen wäre, wenn Murat nicht Murat geheißen hätte, sondern Gerhard Müller? Dann wäre er wahrscheinlich schneller freigekommen."

Das perfekte Filmduo: Stiehler und Dresen

Mit Drehbuchautorin Laila Stiehler arbeitet Andreas Dresen seit vielen Jahren zusammen. Die beiden kennen sich seit 1985 und verstehen sich fast blind. Auf langen Spaziergängen, zum Beispiel in der Uckermark oder auch in Berlin, entwickeln sie Ideen und Dialoge. Papier und Stift braucht Andreas Dresen dabei nicht. "Laila hat ein sehr gutes Gedächtnis, und wenn wir dann an den Drehbüchern arbeiten, schreibe ich meine Notizen rein. Wir kennen uns so gut, da kann ich auch mal dran 'rumstreichen und sie ist dann nicht beleidigt. Sie macht ja das Gleiche bei mir im Schneideraum später, wenn der Film fertig ist."

Zuletzt haben sie bei "Gundermann" zusammengearbeitet, dem Film über den DDR-Liedermacher Gerhard Gundermann, der als Baggerfahrer im Tagebau arbeitete und zeitweise für die Stasi spionierte. Wieder mit Alexander Scheer in der Hauptrolle und wieder ein Projekt, das sich über Jahre hinzog. Viele Male musste sich Andreas Dresen anhören, diesen Gundermann kenne doch im Westen niemand. "Irgendwann war ich auch richtig wütend, ich dachte, wieso? Das hieße ja, man kann nur über sehr prominente Leute Filme machen. Was für ein Blödsinn. Wenn man so will, kennt man Rabiye Kurnaz ja auch nicht. Jetzt kennt man sie."

Mit dem Fall der Mauer wurde alles anders

Schon als Schüler in Schwerin hatte sich Andreas Dresen dem Amateurfilmstudio im Schiffskränewerk angeschlossen und mit den Arbeitern erste Schmalfilme gedreht. Nach einem Praktikum in den Defa-Studios ging er zum Regiestudium an die Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Babelsberg. Mit dem Diplom hätte eine Festanstellung auf Lebenszeit gewinkt. Aber inzwischen war die Mauer gefallen. "Ich fand mich auf dem vielgepriesenen freien Markt wieder mit meinem tollen Diplom, da konnte ich mir auch nichts für kaufen. Plötzlich stand ich in dieser zerfaserten Filmlandschaft, wo es Produzenten gibt, Verleiher diverser Art, wo man sich die Gelder zusammenkratzen muss."

Aber "wie im Märchen" kam ein Produzent auf ihn zu, dem sein Abschlussfilm gefallen hatte. So entstand der erste Spielfilm "Stilles Land". Der Durchbruch kam mit dem vielfach preisgekrönten Episodenfilm "Nachtgestalten". Es folgte eine Arbeit für’s Fernsehen, "Die Polizistin", mit Axel Prahl und Gabriela Maria Schmeide. "Gabriela Maria Schmeide ist natürlich eine Bremer Legende. Sie spielte damals am Bremer Theater, und ich weiß noch, wie ich mit dem Intendanten Klaus Pierwoß einen Deal ausgehandelt habe, damit er sie immer mal aus den Produktionen rausgenommen hat und wir drehen konnten.“ Prahl und Schmeide spielten auch im nächsten Kinofilm "Halbe Treppe". Der bekam noch mehr Preise.

Noch bis Anfang Mai ist Dresen auf Kinotour mit seinem Film über Rabiye Kurnaz. Dann geht’s nach Hause, nach Potsdam. Dort warten schon die Eichhörnchen in seinem Garten. "Ich hab eine eigene Futterstelle für sie eingerichtet und sie sind immer sehr unzufrieden, wenn ich lange unterwegs bin, weil dann nicht nachgelegt wird. Das ist nicht gut," schmunzelt er zum Abschluss.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 28. April 2022, 18:05 Uhr