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Die Nacht

Im Porträt Alli Neumann will patriarchale Strukturen im Musikbusiness brechen

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Sängerin Alli Neumann auf der Bühne.
"Meine Musik ist nicht Glam und ist nicht prätentiös", sagt Alli Neumann. Bild: Imago | Eibner

Alli Neumann will sich von niemandem vorschreiben lassen, was gut für sie ist. Die Musikerin steht für Female Empowerment und Solidarität ein und hat für sich entdeckt, dass sie auch für ihr Leben gern schauspielert. Am 7. August ist sie im Film "3 1/2 Stunden" zu sehen, der am ARD-Themenabend "60 Jahre Mauerbau" ausgestrahlt wird.

Gesprächszeit "Musik sollte eine neue Form von Toleranz schaffen" – Alli Neumann

Alli Neumann will sich von niemandem vorschreiben lassen, was gut für sie ist. Am 7. August ist die Musikerin und Schauspielerin im Film "3 1/2 Stunden" zu sehen.

Sängerin Alli Neumann auf der Bühne.
Bild: Imago | Eibner
Bild: Imago | Eibner

Zehn Jahre, sagt Alli Neumann, habe sie als "super erfolglose" Musikerin gearbeitet. Kurz vor dem ersten Corona-Lockdown hatte ihre künstlerische Karriere Fahrt aufgenommen. Als Newcomerin spielte sie im Grimme-Preis-nominierten Film "Wach" eine der Hauptrollen, brachte dann ihre beiden EPs und den zweiten Film "Wir können nicht anders" unter Regie von Detlev Buck heraus. "Als ich in diesem Strudel war: Menschen haben mein Konzert besucht und Tickets gekauft – war auf einmal schon Lockdown und alles ist direkt runtergefahren."

Doch Alli Neumann igelte sich nicht tatenlos Zuhause ein. Sie engagierte sich in dieser Zeit zum Beispiel in der Hamburger Obdachlosenhilfe. Auf Instagram rief sie zu Spenden auf, verteilte mit Mitstreiterinnen Lebensmittel und setzte sich für die Unterbringung von Obdachlosen in Hotels ein.

"3 1/2 Stunden": der ARD-Film zu "60 Jahre Mauerbau"

Im Sommer 2020 stand Neumann wieder vor der Kamera, für den ARD-Film "3 1/2 Stunden", der am 7. August 2021 zum Jahrestag "60 Jahre Mauerbau" im Ersten ausgestrahlt wird.

Der Film schildert aus verschiedenen Perspektiven die Dramatik des 13. Augusts 1961: Reisende des Interzonenzugs zwischen München und Ost-Berlin erfahren, dass in Berlin eine Mauer gebaut wird. Dreieinhalb Stunden sind es bis zum Grenzübertritt und sie müssen bis dahin eine Entscheidung fällen: Steige ich aus oder fahre ich weiter?

Ich habe meiner fiktiven Band ein bisschen Musik beibringen können. Ich habe von denen auch gelernt, dass Schauspielen auch eigentlich nur Jammen ist.

Alli Neumann über ihre Rolle der Musikerin Carla

Neumann spielt an der Seite von Jeff Wilbusch die Musikerin Carla, die sich zwischen Familie und erstem Erfolg im Osten und künstlerischer Freiheit im Westen entscheiden muss. "Die Kombination aus Musik und Schauspiel ist für mich eine Eins", freut sich Alli Neumann über ihre Besetzung. "Ich habe meiner fiktiven Band ein bisschen Musik beibringen können, habe von denen aber auch gelernt, dass Schauspielen auch eigentlich nur Jammen ist und einiges an Freiheit und Lockerheit dazugehört."

Ein Mann blickt misstrauisch auf eine Frau mit Zigarette auf einem Bahnsteig zwischen zwei Zügen.
Musikerin Carla muss sich im Film "3 1/2 Stunden" zwischen Familie und erstem Erfolg im Osten und künstlerischer Freiheit im Westen entscheiden. Bild: ARD Degeto/REAL FILM/AMALIA Film/Bernd Schuller

Eine Kindheit in Polen mit viel Musik

Geboren wurde Alli Neumann als Tochter eines Deutschen und einer Polin in Solingen. Die ersten sechs Lebensjahre verbrachte sie in Polen, die weitere Kindheit mit ihren drei Schwestern in einem Dorf in Schleswig-Holstein. Immer lebte sie mit mehreren Generationen unter einem Dach. Wenn sie sich an ihre frühe Kindheit erinnert, fallen Neumann sofort die polnischen Lieder ein, die die Familie immer wieder angestimmt hat. "Ich hatte das Gefühl, die Musik hat eher mich ausgesucht. Es war immer so ein Drive da, ich musste immer performen."

Zurück in Deutschland, stellte sie fest, dass viele Polen versuchen, sich in der deutschen Gesellschaft unsichtbar zu machen, um ihre Identität zu verschleiern. Doch Alli Neumann hat ihren Umgang mit ihrer Identität klar definiert: "Ich hab' mich entschieden, dieses Versteckspiel nicht weiterzuspielen, sondern meine Identität anzunehmen und zu leben."

Ich musste lernen, "Nein" zu sagen. Ich musste lernen, standhaft zu sein – und vor allem, das Patriarchat aus mir selbst zu lösen.

Alli Neumann über patriarchale Strukturen in der Musikindustrie

Alli Neumann sang für die Freunde der Eltern – und, verkleidet mit Tüll-Röcken, sogar Schlager im Altersheim. Mit 14 Jahren gab es einen ersten Plattenvertrag, doch kommerziell erfolgreich war ihre frühe Karriere nicht. Heute ist Alli Neumann froh über die zunächst erfolglosen Jahre, die es ihr ermöglichten, ein wertschätzendes Umfeld aufzubauen. "Ich musste lernen 'Nein' zu sagen. Ich musste lernen, mich nicht belabern zu lassen, standhaft zu sein – und vor allem, das Patriarchat aus mir selbst zu lösen", sagt sie über diesen Weg.

Die Musikerin engagiert sich gegen Rassismus und steht für Female Empowerment ein. Sie will nicht angepasst sein und sich von niemandem vorschreiben lassen, was für sie gut ist. Erst recht nicht als Frau im Musikbusiness. Neumanns Musik unterstreicht ihre Einstellung: "Meine Musik ist nicht Glam und ist nicht prätentiös," sagt sie. Musik sollte der Gesellschaft einen Schritt voraus sein. Immer ein bisschen freier, ein bisschen toleranter, ein bisschen visionärer. Mehr Zuhören und mehr Solidarität unter den Menschen – darauf kommt es Alli Neumann an.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 30. Juli 2021, 18:05 Uhr