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Der Morgen mit Tom Grote

Im Porträt "Wir sind stolz darauf, behinderte, empowerte Menschen zu sein"

Autorin

Porträt von Alina Buschmann
Kämpft für die Anerkennung ihrer Lebensrealität: Alina Buschmann Bild: Alina Buschmann

Alina Buschmann erlebt oft, dass Behinderung negativ bewertet wird. Deswegen hat die Inklusions-Aktivistin die Plattform "Angry Cripples" – wütende Krüppel – mitbegründet. Sie möchte für die Belange behinderter Menschen in allen Lebensbereichen sensibilisieren. Als Antidiskriminierungsberaterin berät sie vor allem Filmschaffende.

Porträt von Alina Buschmann

Gesprächszeit "Dann sind wir halt 'Angry Cripples'" – Alina Buschmann

Alina Buschmann erlebt oft, dass Behinderung negativ bewertet wird. Sie hat die Plattform "Angry Cripples" – wütende Krüppel – mitbegründet und berät Filmschaffende.

Bild: Alina Buschmann

Kein behinderter Mensch muss über seine Diagnosen sprechen oder darüber, wie er eine Behinderung erworben hat – stellt Alina Buschmann klar. Alina Buschmann jedoch hat sich dafür entschieden genau das zu tun, um sichtbar zu machen, wo es ihrer Meinung nach in unserer Gesellschaft hakt: Die 29-Jährige hatte vor sechs Jahren einen Autounfall und ist seither geh- und sehbehindert. Und musste – wie sie sagt – erst lernen, sich selbstbewusst hinzustellen und zu sagen: "Ich bin eine behinderte Frau".

Ableismus: Wenn Menschen aufgrund ihrer Fähigkeiten beurteilt werden

Behinderung – das erlebt Alina Buschmann oft – wird fast immer negativ bewertet. Dahinter steckt die strukturelle Diskriminierung von behinderten und chronisch kranken Menschen, dem sogenannten "Ableismus", erklärt die Aktivistin: "Das System, in dem bestimmte Fähigkeiten als essentiell angesehen werden und in dem eine Person, die nicht diesen Vorstellungen entspricht automatisch weniger wert ist und abgewertet wird, unsichtbar gemacht wird – und dabei ist ganz wichtig, dass Ableismus keine Intention braucht. Also, es muss nicht böse gemeint sein, sondern es kann auch das gutgemeinte 'das ist ja toll, dass du das trotz deiner Behinderung schaffst' sein."

"Angry Cripples" wird auch immer wieder zu Behinderten gesagt, wenn sie laut sind und wütend.

Alina Buschmann über den Namen ihrer Internet-Plattform für Empowerment

Genau für diese Art von oft unbewusster Diskriminierung will Alina Buschmann sensibilisieren. Darum bloggt sie und hat vor kurzem gemeinsam mit einer Kollegin die Internet-Plattform "Angry Cripples" gegründet – übersetzt "wütende Krüppel": "…was auch immer wieder zu Behinderten gesagt wird, wenn sie laut sind und wütend sind und sich gegen strukturelle Diskriminierung aussprechen. Und wir haben diese Plattform gegründet, weil wir einen Ort von behinderten Menschen für behinderte Menschen schaffen wollen, an dem Empowerment an erster Stelle steht."

Behinderte Menschen im Film reell abbilden

Genau darum geht es ihr auch in ihrer Arbeit: Alina Buschmann hat Diplom-Schauspiel studiert und fand das einerseits toll, weil sie viel über sich lernen konnte, wie sie sagt. Die Konkurrenz und den Leistungsdruck in der Branche sieht sie aber kritisch: "Es geht um Drehbücher, es geht um Regie. Und da haben wir ganz viel aufzuholen, weil auch der Zugang zu diesen Berufen für behinderte Menschen super schwierig ist. Er ist voller Barrieren und auch das Schauspielstudium ist alles andere als barrierearm."

Bis jetzt war es so, dass sich überwiegend nicht-behinderte Menschen hinsetzen und einen Plot ausdenken.

Alina Buschmann über ihre Beratungsarbeit für die Filmbranche

Mittlerweile berät sie als Inklusions-Expertin Filmschaffende. Ihr Ziel dabei: die Lebensrealität behinderter Menschen vor der Kamera so abzubilden, wie sie wirklich ist: "Bis jetzt war es so, dass sich überwiegend nicht behinderte Menschen hinsetzen, einen Plot ausdenken, wie das Leben mit Behinderung ihrer Meinung nach aussieht, und da haben wir wirklich Arbeit vor uns. Der erste Schritt, so Buschmann, ist die Erkenntnis, dass wir einen gesellschaftlichen Wandel brauchen: "Wir haben so eine vermeintliche Norm, der wir nacheifern sollen. Die bedeutet, dass wir normschön sein sollen, nicht-behindert und gesund und weiß und so weiter. Wenn wir aber in die Gesellschaft gucken, sprechen sehr, sehr wenige dieser Norm." Am Ende müsse die Filmbranche, aber auch die Gesellschaft Ableismus, die strukturelle Diskriminierung behinderter Menschen, aktiv verlernen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 30. Mai 2022, 18:05 Uhr