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Der Samstagvormittag mit Stefanie Pesch

Auf der Bühne Die Oper "Der Bajazzo" – große Gefühle am Theater Bremen

Autorin

Szenen aus der Oper "Der Bajazzo" im Theater Bremen
Der Bajazzo / Pagliaccio dargestellt von Luis Olivares Sandoval und Nedda, dargestellt von Marie Smolka. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

"Der Bajazzo" ist die erfolgreichste und bekannteste Oper des neapolitanischen Komponisten Ruggero Leoncavallo. Die Oper ist sehr beliebt und seit 130 Jahren fest verankert im Repertoire. Bremen-Zwei-Reporterin Christine Gorny hat die Premiere im Bremer Theater gesehen.

Premiere "Bajazzo": Leoncavallos Eifersuchtsdrama wird zum Happening

"Der Bajazzo" ist die erfolgreichste Oper des neapolitanischen Komponisten Ruggero Leoncavallo. Regisseurin Ulrike Schwab gab mit dieser Inszenierung ihr Regiedebüt am Theater Bremen.

Szenen aus der Oper "Der Bajazzo" im Theater Bremen
Opernszene aus "Der Bajazzo" mit Chor ud Kinderchor. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg
Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

"Der Bajazzo" erfüllt alle Voraussetzungen für einen gelungenen Opernabend – mit eingängiger Musik und großen Gefühlen: Die Hauptfigur, der Bajazzo, ist der Clown in einer Commedia dell'arte-Truppe, in der sich die wahren Dramen hinter den Kulissen abspielen. Denn wenn es um seine schöne Frau geht – ebenfalls Schauspielerin in der Truppe – versteht der Bajazzo keinen Spaß. Seine rasende Eifersucht führt zum Realitätsverlust – und zum Mord auf offener Bühne.

Oper mit Performance-Elementen

Die Regisseurin Ulrike Schwab gibt mit dieser Oper, die viele Performance-Elementen enthält, ihr Debüt in Bremen. Die Figuren bewegen sich auf mehreren Bühnenebenen. Die Spielflächen heben und senken sich, werden schräg gekippt oder geraten ins Schwanken. Das Publikum blickt mal auf die Kulisse und mal dahinter, bis in die Künstlerkantine. Dadurch verschieben sich die Perspektiven und die Grenzen zwischen grellbuntem Spiel und grauer Realität. Genau das ist das Thema des "Bajazzo".

Szenen aus der Oper "Der Bajazzo" im Theater Bremen
Opernszene aus "Der Bajazzo" mit Chor und Kinderchor. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Starker Auftritt von Marie Smolka

Im zweiten Akt verlässt Ulrike Schwab das klassische Eifersuchtsdrama und dekonstruiert es zum Happening. Am Schluss wird der Bajazzo an den Rand gedrängt. Sein Nebenbuhler spielt schon lange keine Rolle mehr, sondern hat sich mit Affenmaske zum Affen gemacht. Nedda, gespielt von Marie Smolka, übernimmt die Handlung. Sie wird zur eigentlichen Heldin, zur Heiligen. Selbst nach Ende des Stücks, als sich der Rest des Ensembles bereits den Applaus abholt, hängt sie noch bluttropfend wie eine Gekreuzigte über der Szenerie.

Neben Marie Smolka mit ihrer beeindruckenden schauspielerischen, sängerischen und akrobatischen Leistung, ist auch Claudio Otelli als zudringlicher Tonio stimmlich und darstellerisch sehr präsent. Der Bajazzo selbst – Luis Olivares Sandoval – hat eine sehr solide Leistung gebracht. Die Bremer Philharmoniker, unter der Leitung von Killian Farrell, waren ebenfalls gut aufgelegt. Farrell wurde kürzlich mit dem Nachwuchspreis des Kurt-Hübner-Preises ausgezeichnet.

Szenen aus der Oper "Der Bajazzo" im Theater Bremen
Eine Opernszene mit Claudio Otelli als Tonio und Marie Smolka, die ihr Debüt als Nedda am Theater Bremen gab. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Radikal und originell

Die Regiesseurin hat sich offensichtlich vorgenommen, das Stück von Leoncavallo zu radikalisieren und die Grenzen noch mehr zu verwischen – zwischen Spiel und Realität, zwischen Künstlern und Mensch, zwischen Bühne und Publikum. Das ist an manchen Stellen gelungen, vor allem durch die doppelten Bühnenböden. Originell sind auch die körpergroßen Plexiglaskästen: mal Heiligenschrein, mal Glassarg. An einigen Stellen wirkte die Oper allerdings etwas überperformt, auf die schwarzweißen Videosequenzen oder Textprojektionen an den Seitenwänden hätte man verzichten können. "Insgesamt aber ein interessanter inhaltlicher Ansatz. Außerdem ein lohnenswertes und mit eineinhalb Stunden kompaktes Musikereignis. Das Publikum war auch sehr angetan", sagt unsere Theaterkritikerin Christine Gorny.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 31. Oktober 2021, 11:20 Uhr