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Die Nacht

Neue Alben Ein musikalischer Roadtrip durch die USA

Autorinnen und Autoren

Unsere Alben der Woche fühlen sich an wie ein musikalischer Roadtrip durch die USA – Eva Garthe und Harald Mönkedieck stellen Musik vom kalifornischen Singer-Songwriter Cass McCombs, Rockmusiker Will Hoge aus Nashville/Tennesee und der Bluesrock-Band Tedeschi Trucks Band aus Florida vor.

1 Singer-Songwriter aus dem "Golden State"

Musiker Cass McCombs sitzt auf einer Treppe
Im Jahr 2001 zog er nach San Francisco, wo er seine Debüt-EP aufnahm. Bild: Giovanni Duca

Zehn Alben in zwanzig Jahren, das heißt alle zwei bis drei Jahre ein neues – der Output des kalifornischen Singer-Songwriters Cass McCombs ist beachtlich konstant. Kürzlich hat der 44-Jährige sein neuestes Werk veröffentlicht. Es heißt "Heartmind".

Wie klingt's?

Cass McCombs war eigentlich nie einer, der viele Worte über seine Musik, sich selbst oder sein Leben verloren hat. Stattdessen sollte der Hörer oder die Hörerin sich selbst einen Reim auf seine Songs machen. Bei seinem neuen Album ist das zum ersten Mal anders: Schon vor der Veröffentlichung von "Heartmind" hat er ohne Umschweife mitgeteilt, dass er damit den Tod dreier Freunde und Musikerkollegen verarbeitet. Ihnen ist das Album auch gewidmet. Mehrere der acht Songs des Albums drehen sich folglich um diesen Komplex.

Warum hören?

Am neuen Album waren insgesamt 18 Musikerinnen und Musiker beteiligt. Darunter namhafte Personen wie der Multiinstrumentalist und Produzent Shazad Ismaily, die Sängerin und Gitarristin Danielle Haim, Frontfrau der gleichnamigen Band "Haim", und die deutsche Jazzsaxofonistin Charlotte Greve, die in letzter Zeit vermehrt von US-Indie-Pop-Größen gebucht wird. Sie alle verleihen den Songs einen klanglichen Facettenreichtum, dem man gerne zuhört.

Cover: Cass McCombs: Heartmind, Anti

Cass McCombs: "Heartmind"

Auf seinem neuen Album verarbeitet der kalifornische Singer-Songwriters Cass McCombs den Tod dreier Freunde, denen er das Album auch gewidmet hat.

Bild: Anti

2 Rockmusiker aus der "Music City", Nashville/Tennesee

Musiker Will Hoge
Hoge plante zunächst eine Karriere als Highschool-Lehrer, die er später jedoch zugunsten der Musik abbrach. Bild: DPA | AP Images/Amy Harris

Dass es in der Musikstadt Nashville/Tennessee neben viel Country auch Rockerinnen und Rocker gibt, das ist eine Binsenweisheit. Auch der Sänger und Songwriter Will Hoge zählt dazu. Bei ihm gilt eine fetzige E-Gitarre genau so viel wie ein kräftiger Tonfall der Stimme. Und natürlich die Song-Geschichten mitten aus dem Leben. Auch auf dem neuen Album "Wings On My Shoes".

Wie klingt's?

Will Hoge hat fast ein Dutzend Alben gemacht. Oft betonte er darauf das Lässige und sang mit maskuliner Stimme. Doch die Pandemie hat offenbar auch die verletzbare Seite in der Persönlichkeit des Sängers und Songwriters befördert. In einem der besten Songs des Albums singt er über die Schicksalssituation einer Langzeitbeziehung. Denn einer von beiden wird eher gehen und einer bleiben müssen – "The Last One To Go".

Auch das Hadern mit einer sich verändernden Welt darf nicht fehlen in diesem Kontext. Im Song "Ain’t How It Used To Be" leidet der Sänger an der Gentrifizierung seiner Stadt. Wertkonservative Haltung verbindet sich dabei subtil mit Charakterstärke und Mitgefühl.

Warum hören?

Wenn am Ende des Albums schließlich einige starke Story-Songs stehen, dann beweist sich Will Hoge wohl auch selbst, dass er heute ein wenig mehr Geschichtenerzähler sein möchte als noch zuvor. Und das damit auch die alten Helden Johnny Cash und John Prine im Jenseits ihr Gefallen finden am Schaffen des Mannes aus Nashville. Sein Name ist Hoge, Will Hoge.

Cover: Will Hoge, Wings on my shoes, Membran

Will Hoge: "Wings on my Shoes"

Rockmusiker Will Hoge erzählt Song-Geschichten mitten aus dem Leben –mit fetziger E-Gitarre und kräftiger Stimme.

Bild: Will Hoge (Membran)

3 Facettenreiche Musik aus dem Südstaaten-Universum

Die Mitglieder der Tedeschi Trucks Band
Die Mitglieder der Tedeschi Trucks Band. Bild: Tedeschi Trucks Band

Die Sängerin Susan Tedeschi und der Gitarrist Derek Trucks sind nicht nur seit vielen Jahren ein musizierendes Ehepaar. Mit ihrer vielköpfigen Tedeschi Trucks Band sind sie auch die Speerspitze einer amerikanischen Rock-Tradition, die vieles zusammenführt – Rock, Blues, Pop, Soul und viel Improvisation. Mit dem aktuellen Projekt "I Am The Moon" hat die Band aus den amerikanischen Südstaaten auf gleich vier Alben ihr bislang ambitioniertestes Projekt vorgelegt.

Wie klingt's?

Wer den Sound der Band kennt und schätzt, wird sich auf "I Am The Moon" schnell zu Hause fühlen. Es gibt wieder die mit viel Soul und Blues getränkte Stimme von Tedeschi, ergänzt durch die Lead-Stimmen der männlichen Mitstreiter. Derek Trucks spielt abermals erstklassig Gitarre. Wenngleich das Improvisatorische hier nicht so stark ins Gewicht fällt wie zuvor und nicht alle Songs gleich gut sind, gilt die Erkenntnis: Tedeschi und Trucks leiten eines der großartigsten Roots-Rock-Ensembles der Gegenwart.

Warum hören?

Auf den vier "I Am The Moon"-Alben taucht man ein in ein vielschichtiges musikalisches Südstaaten-Universum, das zahlreiche Facetten amerikanischer Musik zusammenbringt. Man wird Zeuge eines Schaffensprozesses, der die tiefe Krise der Pandemie mit der Kraft einer Gemeinschaft durchbricht. Denn diese Band funktioniert nur als Ganzes. Sie ist ein inspirierendes Kraftwerk und setzt den Einsamkeitstendenzen der digitalen Welt etwas Reales und Analoges entgegen.

Cover:Tedeschi Trucks Band  I Am The Moon: I. Crescent, I am the Moon: II. Ascension, I am the Moon: III. the Fall, I am the Moon: IV. Farewell

Tedeschi Trucks Band: "I Am The Moon I–IV"

Mit dem aktuellen Projekt legt die vielköpfige Tedeschi Trucks Band aus den amerikanischen Südstaaten auf vier Alben ihr bislang ambitioniertestes Projekt vor.

Bild: Concord Records (Universal Music)

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 02. September, 09:38 Uhr