Die Morgenandacht Jemanden wiederfinden

Esther Joas

Die Morgenandacht Jemanden wiederfinden

Die typische Frage bei Klassentreffen: Was macht eigentlich….. Und dann gibt es immer ein oder zwei Ehemalige, von denen niemand etwas weiß. Was mag mit denen los sein? Pastorin Esther Joas macht sich darüber Gedanken.

Bild: Bremische Evangelische Kirche

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Meistens gibt es ein-zwei in einem Schul-Jahrgang, von denen später niemand mehr weiß. Sie verschwinden einfach, nicht, weil sie tot sind, sondern sie sind von der Bildfläche verschwunden. Sie kommen nicht zum Klassentreffen, melden sich nicht in der Facebook-Gruppe an, sind auch nicht bei der Beerdigung des Lieblingslehrers. Wenn man nach ihnen fragt, kommt nur dieses: "Keine Ahnung, nie mehr gesehen." Mag ja sein, dass sie sich auf einer einsamen Insel in der Südsee niedergelassen haben und es ihnen prächtig geht oder sie sind einfach Eigenbrötler. Aber ich behaupte mal, das ist selten der Fall. Einsamkeit ist ein wachsendes Problem in unserer Gesellschaft. Polizisten, Feuerwehrleute und Notärzte können einem Geschichten des Grauens erzählen über Verwahrlosung und wie jemand durch alle sozialen Netze hindurchrasselt. Ab und zu begleite ich als Pastorin Bestattungen von Amts wegen, ohne Angehörige. Bei dem einen stand letztes Mal "gestorben zwischen 20. und 22. Dezember". So genau wusste das niemand. Im Gleichnis vom verlorenen Schaf lässt der Hirte seine Herde allein, um das eine verirrte Schäflein zu finden. "Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist."

Schon interessant, dass das offensichtlich das wichtigste Zeichen für das Himmelreich auf Erden ist: Wenn niemand mehr verloren ist.
Als der Hirte das verirrte Schaf gefunden hat, ist er voller Freude. Er erzählt es jedem, der es hören will oder nicht. Seine Freunde und Nachbarn werden sich gewundert haben, warum er so euphorisch ist wegen eines wiedergefundenen Schafs. So wertvoll waren die auch damals nicht. Ob sie begriffen haben, dass damit der Schalom beginnt, der göttliche Friede? Wenn niemand mehr verloren ist.

Vielleicht könnten wir mal genauer nachsehen, was mit den ein-zwei aus dem Jahrgang ist, von denen niemand mehr weiß. Sie könnten noch im Elternhaus wohnen oder vielleicht weiß der Mann an der Tankstelle Bescheid, weil da hat man den alten Klassenkameraden ab und zu gesehen.

Stellen Sie sich die Freude vor, wenn er, wenn sie gefunden und aus der Einsamkeit gerissen wird, wieder Lebensgeist in sich verspürt, eine Runde ausgibt, vor lauter Dankbarkeit. So muss das Himmelreich sein. Für diesen Moment.

 

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  • Esther Joas

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