Die Morgenandacht Wir haben Dich mit Schmerzen gesucht

Esther Joas

Die Morgenandacht Wir haben Dich mit Schmerzen gesucht

Als Kind ist Jesus seinen Eltern ausgerissen. Drei Tage habe seine Eltern verzweifelt nach ihm gesucht. Wie mag es gewesen sein, als sie ihn schließlich wieder gefunden haben?

Bild: Bremische Evangelische Kirche

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Kennen Sie die Geschichte von Astrid Lindgren "Pelle zieht aus?" Der kleine Pelle, vielleicht fünf Jahre alt, fühlt sich ungerecht behandelt von seinen Eltern. Er ist wütend und beschließt, in den Schuppen im Garten zu ziehen und von jetzt an nicht mehr bei seinen Eltern zu leben. Seine Mutter kann ihn davon nicht abbringen. Eine kurze Zeitlang hält Pelle es aus im Schuppen, aber dann muss er herausfinden, ob er vermisst wird. Er stiefelt ins Haus und sagt trotzig, dass der Briefträger seine Briefe zukünftig bitte zum Schuppen bringen soll. Die Mutter erkennt die Gelegenheit und sagt, dass Papa und sie ganz schrecklich um ihn weinen werden, wenn er Weihnachten nicht zuhause ist. Da spürt Pelle, wie sehr sie ihn liebhaben und muss selber weinen bei der Vorstellung, Weihnachten allein im Schuppen zu sein und Mama und Papa sitzen ohne ihn am Weihnachtsbaum. Und als Papa dann von der Arbeit kommt, da wirft sich Pelle in seine Arme und sagt, dass er jetzt doch wieder nach Hause kommt.  

Astrid Lindgren schrieb diese Erzählung, um eine Gegenerfahrung zu verarbeiten. Sie selbst war als Kind, wie so viele von uns, auch mal ausgerissen vor lauter Wut und wollte nie mehr nach Hause kommen. Sie machte aber die schmerzhafte Erfahrung, dass niemand sie vermisste und ihr Zurückkehren in der großen Familie gar nicht weiter registriert wurde.

Das Wissen darum, vermisst zu werden, trägt und verbindet miteinander. Nicht vermisst zu werden, macht dagegen sehr einsam.

In der Bibel wird erzählt, dass Josef und Maria einmal drei Tage verzweifelt nach ihrem Sohn gesucht haben, bis sie ihn im Tempel in Jerusalem wiederfanden. Er war in der Menge der Menschen nach dem Passafest verloren gegangen. Maria sagt an einer Stelle: „Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.“

Jesus reagiert nicht ganz so wie der kleine Pelle. Statt in die Arme seiner Eltern zu fallen, fragt er: „Warum habt ihr mich gesucht. Wisst ihr denn nicht, dass ich hierher gehöre?“ 

Der Evangelist Lukas drückt hiermit die Besonderheit der Sohnschaft Jesu aus.
Und trotzdem: Jesus war ein Mensch, ein Kind, das heranwächst wie andere auch. Es wird ihm – wie dem kleinen Pelle - sehr gut getan haben, zu erfahren, wie sehr er von seinen Eltern vermisst wurde.

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  • Esther Joas

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