Die Morgenandacht Du bist wieder da

Esther Joas

Die Morgenandacht Du bist wieder da

Drogenabhängigkeit ist für Junkies und deren Eltern extrem belastend. Wochen und Monate wissen die Eltern nicht, wo ihre Kinder sind. Und dann stehen sie manchmal vor der Tür. Pastorin Esther Joas erzählt die Geschichte von Jasper

Bild: Bremische Evangelische Kirche

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Jasper, so nenne ich den jungen Mann, dessen Geschichte auch andere so erleben, hatte einen schweren Start ins Leben.  Seine Mutter trank, sie war ungeduldig und wurde immer grundlos wütend. Das ist eigentlich alles, was er noch von ihr weiß. Er war noch klein, als sie die Familie verlassen hat. Sein Vater hat viel gearbeitet, sein Bruder war einige Jahre älter und nicht sonderlich interessiert an ihm. In der Schule wurde Jasper gemobbt. Er war klein und in der Entwicklung zurückgeblieben. Einmal fiel er durch und war ganz froh, in eine neue Klasse zu kommen. Aber es dauerte nicht lange, da ging es wieder los.

Irgendwann hat er die Schule abgebrochen, ist nicht mehr nach Hause gekommen. Eine Zeitlang hat er Platz in einem Heim gefunden, da waren nette Menschen, die ihm helfen wollten. Katharina kam immer mit Arbeitsblättern und versuchte, ihn auf den Schulabschluss vorzubereiten. Lutz war bisschen cooler, er hatte meistens Spiele dabei, einmal auch einen Nintendo.  

Einmal war so ein Fest in dem Heim, es war Sommer. Torne sagte, dass er Zeug da hat, das den Abend lustig machen wird. Das war Jaspers erster Trip. Er mochte das Gefühl, so voller Energie zu sein und für einen Moment fand er sich richtig gut. Ein paar Tage später setzte er sich einen Shot. Torne sagte, dass er sich dann wie ein Baby fühlen wird, das zuhause in eine warme Decke gehüllt ist und schläft.

Dann ging alles ziemlich schnell. Er flog raus aus dem Heim, Katharina und Lutz waren enttäuscht von ihm, hatten sie gesagt. Er wohnte in der Bahnhofsgegend, zum Schlafen gab es Parkbänke und manchmal eine Unterkunft. Das erste Mal die Hand aufhalten und um Geld bitten, war ziemlich hart. Der erste Winter war vor allem nass und grau, der Wärmebus war gut und die Frau vom Kiosk gefiel ihm. Aber es ging bergab, das Spritzen wurde mehr und er kriegte sich nicht mehr auf die Reihe.

In einem dieser Tripps – es war wieder Winter und schweinekalt – da erinnerte er sich an seinen Vater. Er konnte immer so leckere Pfannenkuchen machen und sie in der Luft wenden. Er mochte die salzigen mit geschmolzenem Käse. Auf dem Bett in seinem Kinderzimmer lag immer dieser kuschelige Teddy mit den großen Knopfaugen. Er weiß nicht mehr genau, wie es dazu kam, aber plötzlich stand er vor der Tür seines alten Wohnblocks, der Name seines Vaters stand da noch auf dem Klingelschild. Welche Tageszeit war, weiß er nicht mehr, jedenfalls war es dunkel draußen und drinnen hell.

Sein Vater öffnete und er erinnert sich an den Schrecken in seinem Gesicht. Er würde nicht lange bleiben können, das wusste Jasper. Sein Vater würde nicht alles wieder gut machen können. Und doch war es ein heilsamer Moment, ich glaube: für beide. Sein Vater umarmte ihn, ganz fest, und ließ ihn ewig nicht los. Dann sah er ihn an und sagte: "Du siehst müde aus. Ruh dich ein bisschen bei mir aus." Immer wieder erinnerte sich Jasper später an diesen Augenblick.

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