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Sounds mit Till Lorenzen

Die Morgenandacht Wie sieht Gott aus?

Morgenandacht

Die Morgenandacht Wie sieht Gott aus?

Kinder sind manchmal sehr viel weiser als Erwachsene. Und manchmal haben sie auch schon sehr viel mehr von Gott begriffen als andere. Pastorin Ines Bauschke sinniert über einen Witz mit Gott.

Bild: Radio Bremen

Informationen zum Audio

Ein Witz, kürzlich gelesen: Die kleine Maja sitzt im Kindergarten und malt ganz versunken ein Bild. Ihre Erzieherin fragt: "Maja, was malst du denn da?" Maja: "Ich male Gott." Die Erzieherin: "Aber wie Gott aussieht, weiß doch keiner." Die kleine Maja antwortet ganz ungerührt: "In ein paar Minuten wissen wir es." Ein Witz - wirklich ein Witz? Diese kleine Anekdote enthält so viel Weisheit. Als ob die Erzieherin über Gott besser Bescheid wüsste als die kleine Maja.

"In ein paar Minuten wissen wir es." Mit ihrem Bild erschafft Maja Gott, so wie sie sich Gott vorstellt. In der Regel haben Christen und Christinnen gelernt, sie sollen sich nach den biblischen Geboten von Gott kein Bildnis machen. Alle Versuche, Gott zu erfassen, sei es in Bildern, sei es mit Sprache, würden Gott doch immer verfehlen. Vergeblich sind alle menschlichen Versuche, Gott zu erkennen. So habe ich es auch gelernt in meinen theologischen Studien.

Die kleine Maja weiß das alles nicht, es kümmert sie auch nicht. Sie malt ihr Bild von Gott. Sie drückt damit ihre Glaubensbeziehung zu Gott aus, und sie lässt sich mit einem solchen Bild tief ins eigene Herz blicken. Ich habe vor einiger Zeit in einem Kindergottesdienst die Kinder auch einmal gebeten, Bilder von Gott zu malen. Ein Mädchen nutzte für ihr Bild alle Farben ihrer Buntstiftepackung, und sie begründete das so: "Es gibt so viele Menschen in so vielen Farben, und in allen von ihnen ist Gott zu sehen."

Kinder können Erwachsenen Vieles beibringen durch ihre Art, die Welt zu sehen. Die Kleinen können die Großen ganz schön in Erstaunen versetzen. Die Bibel erzählt von einer Begebenheit im Tempel von Jerusalem, dort heilte Jesus blinde und lahme Menschen. Es waren Kinder im Tempel, die riefen laut „Hosianna dem Sohn Davids“ - was die geistlichen Führer in dem Gotteshaus verärgerte. Kinder hatten leise zu sein. Doch Jesus antwortete: Habt ihr nie in den Psalmen gelesen. „Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast du, Gott, dir Lob bereitet?“ (Psalm 3,8) Es ist eine alte biblische Weisheit: Kinder haben oft schon früh viel von Gott begriffen – und sie können ihm auch in ihren jungen Jahren schon Loblieder singen.

So wie die kleine Maja mit ihrem Bild: Sie malt Gott, denn Gott ist ihr wichtig. Die akademischen Diskussionen der Großen, die scheinbare Vernunft der Erwachsenen interessiert sie nicht, sie malt aus ihrem Herzen. Jesus weiß, wie empfänglich Kinder für Religion sind. Er sagt den Erwachsenen sogar: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen." (Matthäus 18,3) Uns Erwachsenen kann es gut tun, auf die Kinder zu hören und über ihre kindliche Weisheit zu staunen.

Autor/Autorin

  • Ines Bauschke