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Die Morgenandacht Der Adler

Wibke Winkler
Wibke Winkler

Die Morgenandacht Der Adler

Pastorin Wibke Winkler freut sich jetzt im Frühling an der wiedererwachten Natur: an Rehen im Unterholz, Amseln und Spatzen vor ihrem Küchenfenster und einem Adler hoch oben in den Lüften. Welche Rolle spielen Tiere eigentlich in den Geschichten der Bibel und der religiösen Tradition? In den Morgenandachten geht sie eine Woche lang auf tierische Spurensuche. Heute: Der Adler.

Bild: Bremische Evangelische Kirche

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Einfach raus. Manchmal, wenn mein Kopf zu voll ist, muss ich einfach raus und mich bewegen. Ich schnüre dann am liebsten die Laufschuhe und los geht’s. Ich mag den Rhythmus beim Laufen. Das Geräusch meiner Schritte auf dem geschotterten Weg. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. In den letzten Wochen habe ich beim Laufen oft ungewollte Gesellschaft. Meine Sorgen laufen mit. Wie wird sich der Krieg in der Ukraine entwickeln? Was wird sich uns zeigen, wenn es einmal vorbei ist? Wenn das ganze Ausmaß der Gräueltaten sichtbar wird, die dort gerade passieren? Meine Sorgen laufen mit. Ich kann sie nicht abschütteln.

Ich lasse den Kopf hängen und starre auf meine Füße. Höre das Geräusch meiner Füße auf dem Schotter. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Eine ganze Weile geht das so. Und irgendwann wie aus dem Nichts lässt mich etwas den Blick heben. Das Krächzen einer Krähe oder das Klopfen eines Spechtes. Sie sagen allem zum Trotz: "Kopf hoch." Wenn ich den Kopf hebe, gibt es Einiges zu sehen. Ich sehe das Himmelblau. Ich sehe frisches Grün an Zweigen, die vorgestern noch kahl waren. Ich sehe Kirschblüten. Einatmen. Neues Leben riechen. Ausatmen. Und die Sonne wärmt mein Gesicht. Die Sorgen laufen weiter mit. Aber sie sind nicht mehr meine einzigen Begleiter. Ich kann sie wieder besser aushalten.

Der Prophet Jesaja hat ein großes Versprechen aufgeschrieben:
"Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?
Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat,
wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden."

Was wäre ich gern wie ein Adler! Der Adler fliegt höher als die meisten anderen Vögel. Er nutzt dabei nicht seine eigene Kraft zum Fliegen. Er nutzt den Aufwind unter seinen Flügeln. Er lässt sich tragen und gleitet. Geräuschlos in höchste Höhen. Immer zur Sonne hin.

Ich dagegen bin dem Erdboden verhaftet. Ich habe keine Flügel. Ich kann nicht fliegen, bloß laufen. Näher komme ich dem Fliegen nicht. Einatmen. Ausatmen. Und: Warten – auf den Impuls, den Kopf zu heben. Zur Sonne hin. Der Impuls wird schon kommen. Und ich merke: Dieser Impuls kommt auch nicht aus meiner eigenen Kraft. Er kommt wie aus dem Nichts. Und dann bin ich vielleicht doch ein klein bißchen wie ein Adler. Wenn ich den Kopf zum Himmel hebe und neues Leben rieche, fühle ich mich auch wie... naja, vielleicht nicht wie neugeboren, aber doch immerhin gestärkt. Laufen gibt mir einfach Aufwind

Autor/Autorin

  • Wibke Winkler