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Der Morgen mit Tom Grote

Die Morgenandacht Samenkörner

Wolkenhimmel, dahinter Lichtstrahl

Die Morgenandacht Samenkörner

Pastorin Wibke Winkler hat eine Schwäche für Stockrosen. Die spezielle Art dieser Blumen gefällt ihr sogar dann noch, wenn sie verblüht sind. Für eine Überraschung sind sie auch dann noch gut.

Bild: Pixabay

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Der Herbst hat begonnen und ich denke ein bißchen wehmütig an die hellen Sommertage zurück. An das Summen der Bienen und an den Geruch von Rosen und Lavendel. Meine Lieblingsrosen sind aber gar keine Rosen. Sie heißen nur so: Stockrosen. Sie säumen viele Fußwege und Mauern mit ihren Blüten. In hübschen Straßen sind sie für mich das i-Tüpfelchen der Schönheit und in tristen Straßen sind sie der Farbklecks. Von Weitem schon sind die hohen Blütenstände zu sehen; sie blühen rosa, weiß und manche auch dunkelrot. Nun sind sie fast alle verblüht. Die Blütenstände vertrocknen. In unscheinbarem Braun ragen sie in die Höhe. Schön sieht das nicht aus, finde ich. Aber mögen tue ich es trotzdem. Denn dort, wo die Blüten saßen, haben sich nun die Samenstände ausgebildet. Eine Pflanze trägt viele Samenkörner und sie lassen sich ohne Mühe von der Pflanze abernten. Ich tue das gerne. Am liebsten im Vorbeigehen.

Stockrosen versamen sich auch eigenständig, aber mir macht es Spaß, dabei ein wenig mitzumischen. Ich streife den Samen von einer trockenen Pflanze ab und bringe ihn dort wieder aus, wo ich einen guten Ort vermute: an einer sonnigen, windgeschützten, aber bislang kahlen Stelle. Und besonders gerne an Orten, von denen ich denke, dass sie eine Verschönerung gut gebrauchen könnten. Manche Stellen merke ich mir und achte im nächsten Jahr darauf, ob dort nun eine Stockrose wächst. Manchmal ja, manchmal nein. Manchmal tauchen sie auch ganz woanders auf. Sie versamen sich ja schließlich auch selbstständig und vielleicht bin ich auch nicht die Einzige, die dabei gerne ein wenig mitmischt.

Gottes Wort ist auch wie ein Samenkorn, sagt die Bibel (Mk 4). Es wird in die Welt gestreut. Dorthin, wo es gebraucht wird. Ob es wohl wächst? Trost spendet? Hoffnung gibt? Manchmal ja.Wie ein Samenkorn fällt es auf den Boden. Hier und da keimt es, schlägt Wurzeln, treibt aus und blüht. Manchmal verwandelt es: Trost wächst, wo Tränen geflossen sind. Gelassenheit entsteht, wo Sorgen gequält haben. Hoffnung keimt auf, wo die Traurigkeit sich breitgemacht hatte. Wie Stockrosen in einer tristen Straße: ein Farbklecks im Leben.

Übrigens: Wenn Stockrosen sich neu versamen, weiß man nicht, in welcher Farbe sie einmal blühen werden. Sie sind wie Gottes Wort: immer für eine Überraschung gut!

Autor/Autorin

  • Wibke Winkler