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Der Morgen mit Tom Grote

Die Morgenandacht Nehmt einander an

Wolkenhimmel, dahinter Lichtstrahl

Die Morgenandacht Nehmt einander an

Ist doch ganz einfach die Ordnung in der Spülmaschine. Warum können das andere nie so richtig? Oder ist man selbst zu rechthaberisch? Pastorin Wibke Winkler denkt darüber nach, wie es ist, sich und andere so zu nehmen wie sie sind.

Bild: Pixabay

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Eigentlich ist der Spüler schon voll, aber ich habe noch zwei Tassen. Die würde ich da gerne noch mit unterkriegen. Ich schaue mir an, wie das Geschirr einsortiert ist und wo ich noch eine Lücke entdecke. Mit leichtem Ärger sehe ich, dass wieder einmal jemand die Schüsseln nicht eben platzsparend zwischen die Stäbe gestellt hat. Wenn man sie nämlich andersherum dreht, dann passen mehr rein. Ich seufze. Das heißt jetzt also, dass ich die dreckigen Schüsseln wieder rausnehme, um sie umzudrehen, und dann ist auch wieder Platz für die zwei Tassen.
Manchmal wünschte ich mir, alle würden den Spüler so einräumen wie ich. Dann wäre von vornherein noch Platz für die zwei Tassen und ich müsste hier nicht erst noch umräumen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht schon mehrfach darauf hingewiesen habe, dass es sinnvoller ist, die Schüsseln… Ach, man redet sich den Mund fusselig. Ich vermute: In jedem Haushalt mit Geschirrspüler gibt es so viele Methoden, ihn einzuräumen, wie Menschen, die ihn einräumen. Ob die wohl alle so geschirrspül-rechthaberisch sind wie ich? Meine Methode ist nämlich die beste – und ich befürchte: Ich bin nicht die einzige, die das von sich denkt. Dabei geht es doch bloß um die Anordnung von dreckigem Geschirr. Gibt ja wahrlich Wichtigeres im Leben.

"Nehmt einander an!" steht in einem Brief in der Bibel, den der Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom geschickt hat. "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zur Ehre Gottes." Die Sache mit dem Geschirrspüler zeigt mir, wie schwer das ist, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind. Dabei hat Gott sie doch so geschaffen! Und Gott schuf den Menschen und sah, dass es sehr gut war. Wie sollte ich da anders urteilen? Aber dann sehe ich die unterschiedlichen Geschmäcker und die unterschiedlichen Moralvorstellungen… Und vor allen Dingen die Engstirnigkeit. Wer hält denn meine eigentlich aus?

Vielleicht ist der Geschirrspüler eine gute Übung in Sachen Annahme. Vielleicht macht es Sinn im Kleinen zu üben für das Große. Ich lasse die Schüsseln dort stehen, wo sie sind. Die zwei Tassen passen noch in den Geschirrkorb unten im Spüler. Da stelle ich Tassen zwar nicht so gerne rein, aber es muss ja auch nicht immer nach meiner Nase gehen. Ich stelle den Spüler an. Am Ende werden Schüsseln und Tassen sauber. Darum ging es ja bei der Sache mit dem Geschirrspüler. Viele Wege führen nach Rom. "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zur Ehre Gottes."


Autor/Autorin

  • Wibke Winkler