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Die Nacht

Der Samstagnachmittag Warum Ken Follet nie aufhören wird, Bücher zu schreiben

Der Samstagnachmittag Warum Ken Follet nie aufhören wird, Bücher zu schreiben

Superlative sind sein Ding: Ken Follett hat bereits 36 Bücher geschrieben. Mehr als 170 Millionen Mal wurden diese in mehr als 80 Länder verkauft. Aber in Rente gehen? Das kann sich der 71-jährige partout nicht vorstellen, denn was soll dann bloß kommen?

Audio vom 19. September 2020
Ken Follett
Ken Follett Bild: DPA | Olivier Corsan/MAXPPP
Bild: DPA | Olivier Corsan/MAXPPP

Informationen zum Audio

Die Bücher von Ken Follet sind nicht nur auf der ganzen Welt erfolgreich – sie sind auch immer unfassbar dick. Das gilt auch für seinen neuesten Roman "Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit". Im Bremen-Zwei-Interview erzählt der britische Autor von seiner Arbeit und seiner Liebe zum Mittelalter.

Ken Follet, gehen Ihnen eigentlich nie die Ideen und Worte aus?
Nein – wir Autoren leben ja praktisch in unseren Fantasiewelten. Als kleiner Junge war ich mal ein Pirat, mal ein Cowboy, mal der Captain eines Raumschiffs. Ich habe als Kind in diesen erfundenen Welten gelebt, und heute als Erwachsener mache ich daraus meine Geschichten. Also nein, die Ideen gehen mir nie aus. Im Gegenteil, für Menschen wie mich ist es so, als würden wir ständig mit Funknachrichten aus dem Weltall bombardiert, nur in unserem Fall sind es eben irgendwelche abgedrehten Romanideen.
Sie sagen, Sie hätten sich selbst als Cowboy vorgestellt – ich hätte eher auf Ritter getippt?
Das war ich sicher auch. Ich habe ständig gelesen – seit ich vier Jahre alt war. Ich las über König Arthur und die Tafelrunde. Also vermutlich habe ich mir vorgestellt, ein Ritter in glänzender Rüstung zu sein, auch wenn ich damals noch zu jung war, über Jungfrauen nachzudenken, die ich retten könnte. Aber bestimmt hatte ich ein Schwert und eine Lanze.
Ist das Mittelalter Ihre liebste Epoche, über die Sie schreiben?
Es gibt einen Unterschied zwischen dem Frühmittelalter, also dem dunklen Zeitalter – und dem Hochmittelalter. Das Frühmittelalter endete um das Jahr 1000 herum, als die europäische Kultur langsam wieder auflebte. Und mein Roman spielt genau zu dieser Zeitenwende. Es zeichnet sich gerade der allererste Schimmer einer kulturellen Entwicklung ab, die dann im Hochmittelalter ihre Blüte erlebt und weiterführt in die Renaissance, die Aufklärung und später die industrielle Revolution. Und ich dachte mir, dass an diesem "turning point" in der europäischen Geschichte um das Jahr 1000 herum sicher sehr viel Drama steckt – deshalb habe ich den Roman genau da angesiedelt.
Ken Follett
Ken Follett Bild: DPA | Olivier Corsan/MAXPPP
"Der Morgen einer neuen Zeit" spielt dieses Mal im 10. Jahrhundert beginnt mit einem Gemetzel: Wikinger landen an der Küste Südenglands und überfallen ein Dorf. Warum spielen die Nordmänner dieses Mal eine Rolle in Ihrem Roman?
Drei große Gruppen streiten zu dieser Zeit um die Herrschaft über England: Die Angelsachsen, die auf der Insel leben. Die Wikinger, die über das Land herfallen, morden, brandschatzen und junge Engländer verschleppen und versklaven. Und auf der anderen Seite des Kanals warten die Normannen auf ihre Chance, England zu erobern, was sie letztlich auch taten, sie haben in England jahrhundertelang regiert. Die Wikinger spielten also eine ganz wichtige Rolle in diesen dramatischen, instabilen Zeiten. Viele Leute denken, Wikinger wären sexy – ich nicht. Ich denke, sie waren wie die Mafia, nur mit Schiffen.
Für die Recherche sind Sie sogar nach Norwegen gereist, oder?
Ja. Im Wikingerschiffmuseum in Oslo gibt es zwei echte Wikingerschiffe, keine Nachbildungen. Die wurden tatsächlich ausgegraben und restauriert. Die sind sehr beeindruckend. Diese Wikingerschiffe waren wunderschön und bedrohlich zugleich. Man kann sich richtig vorstellen, wie allein der Anblick dieser Schiffe die Engländer und Franzosen an den Küsten in Angst und Schrecken versetzt hat.
Hatten Sie da den Romananfang direkt vor Augen?
Ja, ganz genau das habe ich gedacht. Deshalb beginnt der Roman mit diesem Bild.
Eine der Hauptrolle spielt auch Edgar: Er ist Sohn eines Bootsbauers und ein intelligenter Mann mit Visionen. Und Edgar weiß, was das Leben im Mittelalter erleichtern könnte. Zum Beispiel der Bau von Brücken über Flüsse. Gibt es ein konkretes historisches Vorbild für den Visionär Edgar?
Nein, aber es muss junge Männer wie ihn gegeben haben. Zu jeder Zeit gab es Menschen, die neue Techniken sehr schnell übernommen und angewendet haben und damit den Fortschritt vorantrieben. Für eine andere Romanfigur, Ragna, gab es aber tatsächlich eine reale Vorlage. Ragna ist im Roman eine normannische Prinzessin, die nach England kommt um einen angelsächsischen Häuptling zu heiraten. Sie ähnelt der echten Emma von der Normandie, die nach England kam, um König Ethelred zu heiraten. Sie war ganz klar eine Frau, die gerne im Zentrum der Macht stehen wollte, denn als Ethelred starb, heiratete sie den nächsten König, und später wurde ihr Sohn gekrönt. Genau wie sie strebt auch Ragna nach Macht und Autorität und weigert sich, die ihr zugedachte Rolle als Frau zu spielen.
Warum ist es Ihnen wichtig, starke Frauenfiguren zu inszenieren?
Naja, wenn ich eine Frau erfinde, die die Heldin meiner Geschichte werden soll, dann schreibe ich sie natürlich so, dass sie mir gefällt. Starke Frauen haben mich schon immer angezogen, und ich bin seit 35 Jahren mit einer verheiratet. Außerdem – egal ob Mann oder Frau: Schüchterne Menschen geraten nicht so leicht in Schwierigkeiten, es liegt also in der Natur der Sache, dass sich mutige, starke Persönlichkeiten für einen spannenden Roman besser eignen.
Ihre Bücher sind quasi dazu verdammt weltweite Bestseller zu werden. Ist das etwas, was Sie bei der Arbeit stresst und unter Druck setzt? Oder vertrauen Sie mittlerweile auf Ihren Erfolg?
Oh nein, entspannt bin ich nicht beim Schreiben. Auch wenn ich es schon oft geschafft habe, ist es immer noch schwierig, einen Roman zu schreiben, der Millionen von Menschen auf der ganzen Welt verzaubert. Ich bin zuversichtlich, weil es mir schon oft gelungen ist. Aber entspannt – nein, das bin ich wirklich nicht. Trotzdem ist es eine gute Art von Druck. Denn wenn ich etwas geschrieben habe, das ganz okay ist, und bin versucht zu sagen: Ach, das ist gut genug – dann denke ich: Es gibt mindestens 10 Millionen Menschen da draußen, die mein letztes Buch gelesen haben und sich auf das nächste freuen. Will ich wirklich riskieren, sie zu enttäuschen? Aus Faulheit? Nein, niemals. Also zerreiße ich alles und fange nochmal von vorne an. Ich habe schon mal ein Jahr lang an einem Roman gearbeitet und dann alles weggeworfen.
"Die Nadel" war 1978 Ihr erster großer Erfolg. Können Sie sich noch an das Gefühl erinnern, als sie diesen Erfolg gelandet haben?
Oh, da können Sie drauf wetten!! Das war einer dieser Momente, die man niemals vergisst.  Ich bekam die Nachricht, dass die Rechte für die amerikanische Paperbackversion an meinem Roman "Die Nadel“ für 800.000 Dollar verkauft wurden. Damals waren 800.000 Dollar viel Geld. Wir hatten alle damit gerechnet, dass das Buch ein Erfolg werden würde. Aber das war wirklich die Krönung. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich losgegangen und habe zwei Flaschen Champagner gekauft.
Sie sind jetzt 71 Jahre alt und können auf eine unfassbare Karriere als Autor zurück blicken. Können wir noch mehr Bücher von Ihnen erwarten, oder wann sagen Sie "Ich höre jetzt auf zu tippen und spiele nur noch Bassgitarre"?
(lacht) Niemals! Ich kann mir nicht vorstellen, mit dem Schreiben aufzuhören. Sollte ich in die Hölle kommen, wird man mir verbieten, zu schreiben und mich zwingen, Golf zu spielen. Wenn ich ein Buch fertig habe, nehme ich mir zwei Wochen frei. Aber dann fange ich schon wieder an, über das nächste nachzudenken. Schreiben ist einfach das Schönste in meinem Leben, ich bin immer wieder fasziniert davon, und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, das aufzugeben. Also wann werde ich in Rente gehen? Niemals.
Können Sie uns schon einen Ausblick auf ein neues Buch geben?
Vor einem Jahr habe ich die Arbeit an "Der Morgen einer neuen Zeit“ abgeschlossen, und seitdem sitze ich an einem neuen Buch. Aber Sie müssen verzeihen: Ich kann noch nicht darüber sprechen. Unter anderem, weil es noch "work in progress“ ist, es kann sich noch alles verändern. Oder vielleicht werde ich ja am Ende wieder alles zerreißen. Also, nehmen Sie es mir nicht übel – aber darüber spreche ich mit Ihnen ein andermal.

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